wie viele Geschenke für Kinder, Minimalismus

Wie viele Geschenke tun unseren Kindern gut?

Kürzlich stellte eine Mutter in einer Familien-Gruppe bei Facebook die Frage, wie es in anderen Familien mit Geschenken gehandhabt würde. Wie viele Geschenke die Kinder außerhalb von Weihnachten und Geburtstag bekämen. Nahezu alle Eltern antworteten, dass sie ihren Kindern immer wieder etwas kauften und deren Wünsche häufig erfüllten. Schließlich würde man sich die eigenen Wünsche ja auch sofort erfüllen. „Ich selbst kaufe mir auch immer gerne mal etwas, deshalb bekommt auch mein Kind regelmäßig Geschenke.“ antworteten so manche Mütter. Zu Weihnachten und Geburtstag gäbe es dann ein ganz besonders großes Geschenk für die Kinder.

Die Bescherung soll an Weihnachten nicht zentral sein

Gleichzeitig wurde jedoch argumentiert, dass die Kinder Weihnachten nicht nur wegen der Geschenke schätzen sollten. Deshalb wäre es also besser, die Kinder das ganze Jahr hindurch auch noch zu beschenken. So sei an Weihnachten die Bescherung nicht so bedeutungsvoll.

Diese Argumentation geht für mich nicht auf. Ganz sicher freuen sich Kinder, die im Laufe des Jahres zusätzlich beschenkt werden, an Weihnachten genauso auf die Bescherung wie Kinder, die unter dem Jahr weniger geschenkt bekommen. Denn die Weihnachts- und Geburtstagsgeschenke der ersteren fallen ja besonders groß aus, weil sie die üblichen Geschenke übertreffen sollen. Möchte man, dass die Kinder an Weihnachten nicht über die Geschenke nachdenken, muss man die Bescherung wohl eher ganz weglassen.

Schenken ist einfach schön!

Einige Mütter äußerten, es wäre sehr schön, den Kindern ein Geschenk zu machen und deshalb täten sie das auch fleißig.

Ja, das stimmt. Es gibt auch für mich kaum etwas Schöneres, als jemandem mit einem Geschenk eine Freude zu machen. Besonders den eigenen Kindern einen Wunsch zu erfüllen ist ein tolles Gefühl.

Ich erfülle meinen Kindern aber lieber die immateriellen als die materiellen Wünsche. Ihren Wunsch nach Geborgenheit, nach Zuwendung und nach gemeinsamen Aktivitäten. Was materielle Geschenke anbelangt, bin ich etwas zurückhaltender.

Wohin mit den ganzen Spielsachen?

Zum Einen haben wir im Moment nur ein Kinderzimmer für vier Kinder. Wenn ich alle Wünsche meiner Kinder erfülle, wo soll ich denn die ganzen Spielsachen unterbringen? Hierzu sagte eine Mutter, man könne ja die alten Sachen immer wieder durch neue ersetzen. Aber was ist das für ein Umgang mit unseren Ressourcen? Was für ein Müll wird dadurch produziert? Und wie wenig Wertschätzung wird damit den alten Spielsachen entgegengebracht?

Meine Tochter hat ebenfalls schon so argumentiert. Sie sah in einem Laden niedliche Kuscheltiere und wollte, dass ich ihr eines kaufe. Als ich ihr erklärte, sie hätte doch so viele Kuscheltiere, weshalb sie denn jetzt noch mehr haben wolle, sagte sie, wir könnten ja die alten wieder an arme Kinder verschicken.

Aber wozu neue Kuscheltiere kaufen? Mache ich meinen Kindern damit wirklich eine besondere Freude? Über die alten Kuscheltiere hatten die Kinder sich doch auch einmal gefreut. Warum müssen es wieder neue sein, wenn die alten noch schön sind? Heißt es dann nicht in Kürze auch bei den neuen Kuscheltieren, die könnten jetzt ausgetauscht werden, es müssten wieder andere her?

Macht materieller Besitz die Kindheit glücklicher?

Eine Mutter schrieb, ihr Kind solle seine Kindheit genießen und später auf glückliche Jahre zurückblicken. Deshalb würde sie es auch unter dem Jahr immer wieder beschenken.

Besteht eine glückliche Kindheit daraus, immer wieder reich beschenkt zu werden? Ist ein glückliches Leben etwa von materiellen Dingen, von Besitz, abhängig?

Leider wird das heutzutage offensichtlich von vielen Menschen als Solches empfunden. Ich wünsche mir für meine Kinder allerdings, dass sie auf andere Dinge im Leben wertlegen, als auf ihren materiellen Besitz. Ich hoffe nicht, dass meine Kinder später jedes Jahr ihre Garderobe entsprechend der neusten Mode erneuern, dass sie immer das neuste Handy und den neusten Fernseher haben müssen. Ich möchte, dass meine Kinder lernen, zufrieden zu sein, mit dem, was sie haben und dass das Glück nicht von materiellen Dingen abhängt. Und deshalb erfülle ich ihnen ganz bewusst nicht jeden Wunsch.

Ich weiß nicht, ob mein Umgang wirklich einen Einfluss auf ihr späteres Kaufverhalten hat. Jedenfalls nehme ich meine Kinder insgesamt als zufrieden und glücklich wahr. Ich habe nie das Gefühl, dass sie sich langweilen, selbst wenn wir den ganzen Tag zuhause bleiben und nicht ferngesehen wird. Es ist aber auch nicht so, dass unsere Kinder arm an Spielsachen wären. Sie haben weit mehr als ich jemals als Kind hatte. Für meinen Geschmack eigentlich auch schon zu viel. Und sie kriegen auch unter dem Jahr Geschenke, wenn uns Freunde oder Verwandte besuchen zum Beispiel. Außerdem haben sie ja auch Geschwister, was ganz sicher der Langeweile entgegenwirkt.

Tritt überhaupt je eine Sättigung ein?

Wenn wir unseren Kindern doch einmal einen Kaufwunsch erfüllen, habe ich oft den Eindruck, damit eine Gier in ihnen geweckt zu haben. Anstatt dass sie glücklich damit sind, wollen sie noch mehr. Zudem gibt es Streit, weil ihnen das Spielzeug der Schwester auf einmal besser gefällt als das eigene. Oder sie weinen, weil sie doch lieber etwas Anderes gehabt hätten. Es tritt gar keine Sättigung ein und ich ärgere mich, nachgegeben zu haben. Hätte ich einfach nein gesagt, wäre der Frust von viel kürzerer Dauer gewesen. Denn, was die Kinder im Laden gesehen haben und nicht bekommen haben, ist zuhause so gut wie nie ein Thema.

Ein Beispiel aus unserem Alltag

Letzten Sommer betrat ich beispielsweise mit meinen Kindern einen Kleiderladen, weil wir ein Geburtstagsgeschenk für jemanden brauchten. Die Kinder wollten unbedingt, dass ich ihnen auch etwas kaufe. Sie wünschten sich Badeanzüge. Ich ließ mich überreden, da die Badeanzüge stark reduziert waren und ich dachte, wenn ich ihnen etwas kaufen würde, wären sie anschließend bei den nachfolgenden Einkäufen ruhig. Innerlich ärgerte ich mich aber fürchterlich, dass ich nachgegeben hatte, denn eigentlich besaßen sie schon Badeanzüge.

Als wir ins nächste Geschäft wechselten, fingen sie wieder an zu jammern und zu betteln, dass ich ihnen etwas kaufen solle. Die Freude an den Badeanzügen hatten sie bereits verloren, noch ehe sie diese überhaupt benutzt hatten! Ich konnte es nicht fassen und platzte innerlich vor Wut. Ich kaufte den Kindern nichts mehr, stattdessen gingen wir wieder in das Kleidergeschäft und gaben die Badeanzüge zurück. Kein Kind weinte. Es war ihnen einfach egal!

Welche Folgen hat es, wenn wir alle Wünsche unserer Kinder erfüllen?

Tun wir unseren Kindern einen Gefallen, wenn wir all ihre Wünsche immer und sofort erfüllen? Lernen sie dann trotzdem, dass man auch manchmal auf etwas verzichten oder warten muss? Verlieren sie dabei nicht die Wertschätzung und Dankbarkeit? Wie seht ihr das?

Dieser Beitrag könnte dich auch interessieren:

Zufrieden sein mit dem, was man hat

5 comments:

Hallo Greenmom 🙂

Wir sehen das noch recht “oldschool”. Muddi kommt ausm Osten, Papa hat selber nicht viel gehabt als Kind – und trotzdem hat alles wunderbar funktioniert und alle sind zufrieden 🙂
Weniger ist mehr und unbenutztes wird abgegeben. Erstens wird es auf diese Weise nicht so teuer, zweitens mehr Wertschätzung und drittens werden die kleinen Kreativer was das Spielzeug angeht. So wird aus einem Waldspaziergang mit “Stöcke und Kastanien sammeln” eine Art Spielzeugbesorgung in der Natur.
Klar gibt es viele Wünsche – aber bei der heutigen Reizüberflutung muss man (finden wir) einmal mehr auf die Bremse treten um auf das spätere, eigenständige Leben vorzubereiten.

Lieben Gruß,
Daniel

Antworten

Hi Daniel :-),

genau, ich hatte auch nicht so viel wie meine Freundinnen und trotzdem eine glückliche Kindheit. Dennoch ist es schwierig, die Bremse zu treten, wenn man in einer Gesellschaft lebt, in der halt eben dieser Überfluss an Spielsachen zur Normalität gehört. Man will ja nicht, dass die eigenen Kinder sich benachteiligt fühlen und die Kinder werden je älter sie werden desto besser im Argumentieren, wenn sie irgendwelche Wünsche haben. Manchmal schaffe ich es nur schwer (oder auch mal gar nicht) standzuhalten. Erlebst du das auch so?

Liebe Grüße
Shani

Antworten

Hallo Shani
Ja – heutzutage ist es teilweise schon schwierig. Aber ich habe da nicht so die Probleme, ich nehme mir dafür mehr Zeit als die meisten anderen Eltern für die Kids. Ich denke, dass das übertriebene Schenken vielerorts eine unterbewusste Art “Gutmachung” für die zu wenig empfundene Zeit mit den Kids ist.
Die Probleme mit dem “Standhalten” liegen eher bei Mama – die ist nicht gaaaanz so “eisern”. 😀

Lieben Gruß,
Daniel

Antworten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.