Falsche Ratschläge Kinderärzte Erziehung Abstillen

Auch Kinderärzte sind nur Menschen

Viele Eltern halten Kinderärzte in Sachen Erziehung und Ernährung für besonders kompetent und leisten ihren Ratschlägen gerne Folge. Das, obwohl Kinderärzte sich in ihrem Studium mit den Themen Erziehung und Ernährung in der Regel überhaupt nicht oder nur oberflächlich befassen - sofern sie sich nicht auf Ernährungsmedizin spezialisieren. Was Erziehung angeht, gibt es meines Wissens keine entsprechende fachliche Spezialisierung in der Medizin. Und alleine durch die kurzen Begegnungen mit ihren kleinen Patienten gelten Kinderärzte noch lange nicht als Erziehungsexperten, denn das Verhalten der Kinder in einer Arztpraxis ist sicher nicht repräsentativ.

Abgesehen von der Erfahrung mit dem Kölner Kinderarzt, der mir allen Ernstes sagte, wir hätten unser zwei Wochen altes Baby bereits verzogen (siehe hierzu der Artikel „Durch zu viel Stillen und Tragen verzogen“), erhielt ich auch in München viele eher fragwürdige Empfehlungen von Kinderärzten.

Kritik am Familienbett

Bei den jährlichen Vorsorgeuntersuchungen unserer Kinder werde ich immer wieder gefragt, wie und wo unsere Kinder schlafen würden. Ich weiß von Freundinnen, dass ihnen in der Kinderarztpraxis vom Familienbett abgeraten wurde. Deshalb gebe ich auf diese Frage der Kinderärzte immer nur kurze Antworten. Dass unsere Kinder sehr gut schliefen und wir nachts absolut keine Probleme hätten. Ich finde, wo unsere Kinder schlafen, geht einen Kinderarzt in keiner Weise etwas an. Ich verstehe überhaupt nicht, wofür ein Kinderarzt das überhaupt wissen will. Was hat das mit der Gesundheit meines Kindes zu tun?

Von zu langem Stillen wurde mir abgeraten

Ein Kinderarzt in der Gemeinschaftspraxis, in die wir gehen, riet uns davon ab, unsere zweijährige Tochter weiter zu stillen. Sie sei jetzt aus dem Säuglingsalter raus. Warum fühlt sich ein Kinderarzt dazu befugt, mir vom (Langzeit-)Stillen abzuraten? Fällt das in seinen Kompetenzbereich? Auch hier frage ich mich, in wie fern es meinem Kind gesundheitlich schadet, wenn ich es weiterstille.

Das Gegenteil ist der Fall! Gesundheitlich gesehen hat eine lange Stilldauer ausschließlich Vorteile, denn Muttermilch enthält wertvolle Nährstoffe. Es gibt zahlreiche Studien, die belegen, dass Kinder, je länger sie gestillt werden, später umso seltener unter diversen Krankheiten leiden.

Eine andere Kinderärztin in derselben Praxis riet mir sogar bei meiner erst einjährigen zweiten Tochter schon zum Abstillen. Sie begründete es damit, dass die Giftstoffe, die ich über meine Nahrung zu mir nahm, über die Muttermilch dem Kind zugeführt würden. Leider war ich in diesem Moment nicht schlagfertig genug, um zu kontern, ob es denn weniger schädlich wäre, die Giftstoffe meiner Tochter direkt über die Nahrung zuzuführen anstatt über die Muttermilch.

Unnötige Ergotherapie wurde vorschnell verschrieben

Als meine anderthalbjährige erste Tochter noch nicht in der Lage war, alleine aufzustehen, machte mir eine Bekannte, die beruflich mit Kindern zu tun hatte, Angst. Sie sagte, ich sollte das unbedingt beim Kinderarzt abklären, das sei ein wirklich sehr merkwürdiger Fall. Panisch rief ich in diesem Moment in unserer Kinderarztpraxis an und vereinbarte bei der Kinderneurologin einen Termin. Ich erhielt diesen aber erst ein paar Wochen später. Bis dahin war meine Panik längst wieder verflogen und ich war inzwischen überzeugt, dass mein Kind vollkommen gesund war und irgendwann alleine aufstehen würde. Dennoch nahm ich den Termin wahr, aus Neugierde, ob die Kinderärztin solch einen Fall bereits kannte.

Die Kinderneurologin war ganz verblüfft. Sie hätte noch nie davon gehört, dass ein Kind, das bereits frei laufen könne, noch nicht alleine aufstehe. Nicht einmal irgendwo hochziehen konnte meine Tochter sich. Zum Laufen stellten wir sie auf die Beine. Obwohl die Kinderärztin so erstaunt war und das noch nie erlebt hatte, wusste sie, was der Grund dafür war. Ich würde zu schnell auf meine Tochter reagieren. Immer, wenn sie weine, würde ich ihre Bedürfnisse erfüllen, anstatt sie einfach weinend liegen zu lassen. Sie verschrieb meiner Tochter Ergotherapie.

Wenn die Erklärung wäre, dass ich meine Tochter nicht habe weinen lassen, dann müsste sich jedes zweite andere Kind auch so entwickeln wie unseres. Aber offenbar handelt es sich bei meiner Tochter um einen äußerst seltenen Fall.

Meine Tochter war auch nie gerobbt, auch nicht gekrabbelt, sondern mit fünfzehn Monaten direkt gelaufen. Tatsächlich denke ich schon, dass wir auf diese untypische Entwicklung Einfluss hatten. Aber sicher lag es nicht daran, dass wir sie nicht haben weinen lassen. Wir waren wohl einfach zu ungeduldig und setzten unsere Tochter bereits hin, bevor sie selbst dazu in der Lage war. Auch stellten wir sie auf die Füße, noch ehe sie dies selbst schaffte. Eine chronologischere Entwicklung hätten wir wahrscheinlich erreicht, wenn wir ihr diese Entwicklungsschritte nicht vorweggenommen, sondern abgewartet hätten, bis sie selbst dazu in der Lage gewesen wäre. Allerdings taten das damals alle Mütter in meinem Umfeld mit ihren Kindern. Vor allem machten es auch zahlreiche Personen mit meinem Kind. Selbst Ärzte in unserem Umfeld stellten unsere Tochter auf die Füße und übten mit ihr das Laufen. Ich machte mir gar keine Gedanken darum, dass das nicht natürlich sein könnte.

Obwohl also die meisten Kinder hingesetzt und auf die Füße gestellt werden, ehe sie selbst in der Lage sind, war unser Kind mit dieser außergewöhnlichen Entwicklungsabfolge offenbar eine große Ausnahme. Also ganz so einfach erklären lässt es sich nicht. Meine nächsten beiden Töchter entwickelten sich motorisch auch sehr außergewöhnlich. Es scheint bei uns also auch genetisch bedingt zu sein.

Offenbar müssen aber manche Ärzte einfach für alles eine Erklärung und ein Heilmittel parat haben, selbst wenn sie zunächst noch zugeben, dass sie von solch einem Fall „noch nie gehört“ haben. Warum wollte die Kinderärztin meine Tochter dann direkt in eine „Therapie“ schicken? Hätte sie nicht zuversichtlicher reagieren können?

Ich rief die Ergotherapeutin an und sagte ihr, dass ich eine Therapie eigentlich nicht für nötig hielte, weil ich der Meinung sei, dass meine Tochter das Aufstehen von selbst lerne. Interessanterweise fand die Therapeutin meine Einstellung toll! Wir vereinbarten also keinen Termin. Dennoch konnte meine Tochter zwei Wochen später alleine aufstehen und ist heute motorisch ganz normal entwickelt.

Bloß kein Schnabelbecher für die Nacht!

Der beste Ratschlag kam von einem anderen Kinderarzt, ebenfalls in derselben Praxis. Er fragte, ob meine zweijährige zweite Tochter in der Nacht noch etwas trinke. Ich sagte ihm, sie sei bereits abgestillt und trinke in der Nacht nur manchmal Wasser. Er wollte wissen, woraus sie denn das Wasser trinken würde. Da erklärte ich ihm, wir würden abends einen auslaufsicheren Schnabelbecher ans Bett stellen. So müssten wir nicht extra in der Nacht aufstehen. Der Kinderarzt äußerte, das sei nicht gut! Wir sollten ihr einen normalen Becher zu trinken geben.

Ich wusste nicht, ob ich lachen oder mich ärgern sollte. Ich ergänzte, dass meine Tochter den ganzen Tag hindurch aus einem normalen Becher trinken würde. Lediglich in der Nacht trinke sie aus dem Schnabelbecher. Und das auch nicht jede Nacht. Oft schlafe sie auch durch. Das könne doch unmöglich schaden. Er wollte die Absurdität seiner Aussage nicht eingestehen und sagte, ich könne natürlich machen, was ich wolle, er würde mich bloß darauf hinweisen.

Dann stieß ich in derselben Praxis auf einen Arzt, der sich offen und interessiert zeigte und sich nicht als allwissend präsentierte. Während ich früher bei der Terminvereinbarung noch sagte, es sei mir egal, bei welchem Arzt man uns eintrage, gingen wir von nun an nur noch zu diesem Kinderarzt.

Von der veganen Ernährung wurde uns gänzlich abgeraten

Leider zeigte aber auch dieser Kinderarzt sich nicht mehr offen und interessiert, als ich ihm von unserer inzwischen veganen Lebensweise berichtete. Er sagte mir, von einer veganen Ernährung für Kinder rate er ganz klar ab und das würde er auch sogleich in unsere Akte eintragen.

Ich erklärte ihm, dass ich mich sehr gut informiert hätte, wir uns sehr ausgewogen ernähren würden und die Kinder auch das B12-Vitaminpräparat täglich einnähmen. Daraufhin wollte der Kinderarzt wissen, ob ich es gut fände, meinen Kindern Tabletten zu geben, wo das doch gar nicht nötig sein müsste.

Was sollte das heißen, es sei nicht nötig? Wir brauchen das Vitamin B12! Entweder wir geben es in Unmengen den Nutztieren und konsumieren dann diese (bzw. deren Milch) oder wir nehmen das Vitamin B12 direkt selbst als Nahrungsergänzung ein. Gegen eine vegetarische Ernährung haben Ärzte heutzutage nichts mehr einzuwenden. Es stört sie offenbar an uns Veganern, dass wir die Milch auch noch weglassen.

Unser Kinderarzt fände es also besser, meinem Kind Kuhmilch statt eines Vitaminpräparates zu geben. Dabei ist Kuhmilch nachgewiesenermaßen ein schädliches Lebensmittel. Sie enthält zahlreiche Giftstoffe und vor allem Hormone, die überhaupt nicht für den menschlichen Körper geeignet sind. Kuhmilch ist für Kälber gedacht, menschliche Muttermilch für unsere Säuglinge und Kleinkinder. Die beiden Milcharten sind komplett unterschiedlich beschaffen, schließlich muss ein Kalb innerhalb kürzester Zeit viel mehr wachsen als ein menschliches Neugeborenes. Auch deren Gehirne entwickeln sich vollkommen anders.

Nach dem Abstillen brauchen wir Menschen keine Milch mehr, genauso wie Kälber, wenn sie groß werden, keine Milch mehr trinken. Wir brauchen lediglich das Vitamin B12, welches nicht tierischen Ursprungs ist, sondern von Mikroorganismen gebildet wird. Und das kann ich meinem Kind auch pur geben anstatt über schädliche Kuhmilch.

Leider raten in Deutschland noch nahezu alle Kinderärzte dazu, Kindern Milch zu geben. Man fragt sich, warum sie sich nicht neutral informieren!

Kindern ein Vitamin-B12-Präparat zu geben, lehnen sie ab. Gleichzeitig geben sie nach der Geburt den Säuglingen Vitamin K, die gesamten ersten zwei Lebensjahre sollen Kinder Vitamin-D-Tabletten schlucken, Jod sollen sie über angereichertes Salz zu sich nehmen. Schwangere und Stillende sollen Folsäure und Eisen supplementieren. Das ist alles völlig normal, obwohl man theoretisch auch diese Vitamine und Spurenelemente in Form von Lebensmitteln zu sich nehmen könnte. Aber sobald es darum geht, Milch und Fleisch wegzulassen, wird die Einnahme eines einzigen Vitaminpräparates auf einmal kritisiert?

Auf die Frage des Kinderarztes, ob ich es gut fände, meinem Kind Tabletten zu geben, antwortete ich, dass das doch überhaupt nichts Außergewöhnliches sei. Man gäbe Kindern doch auch andere Vitaminpräparate, wie Vitamin K oder Vitamin D. Schwangere nähmen Folsäure. Er drehte sich weg und beendete die Diskussion.

Gerade kürzlich waren wir zur Blutabnahme bei demselben Kinderarzt. Mit den Werten aller drei Kinder war er äußerst zufrieden. Ein bisschen offener und interessierter zeigte er sich dann doch wieder.

Keine Muttermilch bei Magen-Darminfekt?

Als meine noch gestillte fast zweijährige Tochter sich einen Magen-Darminfekt eingefangen hatte und deshalb nichts bei sich behielt, war ich froh, dass sie wenigstens noch gestillt werden wollte. Aber auch nach dem Stillen übergab sie sich häufig.

Auf telefonischen Rat einer Ärztin fuhren wir mit unserer Tochter in die Klinik. Man müsse ihr möglicherweise eine Infusion legen und sie über Nacht dort behalten. Unsere Tochter war laut des Klinikarztes aber noch gut genug versorgt und konnte sogleich wieder nach Hause kommen. Dennoch wurde uns daraufhin von anderen Ärzten empfohlen, unserer Tochter vorerst keine Muttermilch mehr zu geben, bis sie aufhören würde, sich zu übergeben.

Ich wehrte mich dagegen. Schließlich verlangte sie die Muttermilch selbst und ich hatte den Eindruck, sie würde schon spüren, was ihr gut tue. Außerdem wurde sie damals auch noch zum Einschlafen gestillt, sodass ein vorübergehendes Abstillen für uns alle zusätzlichen Stress bedeutet hätte.

Ich recherchierte daraufhin im Internet und las in zahlreichen Quellen, dass Muttermilch für Babys bei Magen-Darminfekten die beste Medizin sei. Hätte unsere Tochter nicht wenigstens noch die Muttermilch zu sich genommen, hätte sie vermutlich in der Klinik bleiben müssen.

Die Annahme, dass Muttermilch bei Magen-Darminfekten nicht gut sei, kommt daher, dass das auf Kuhmilch zutrifft. Nicht aber auf die menschliche Muttermilch!

Auch dieses Erlebnis zeigte mir einmal wieder, dass man jede Aussage eines Arztes kritisch hinterfragen und sich möglicherweise eine Zweitmeinung einholen sollte. Denn auch ein Arzt ist nur ein Mensch, der sich irren kann!

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