Geburt Hausgeburt Vierfüßlerstand

Das vierte Baby ist da! So war die Geburt …

Heute gibt es einen ganz aktuellen Geburtsbericht. Unser viertes Baby ist vergangenen Sonntag um 09:40 Uhr geboren.

Meine Frauenärztin hatte anhand der Embryogröße den 16. Juli als Geburtstermin festgelegt. Obwohl ich selbst aufgrund meines Zyklus den 11. Juli errechnet hatte, nahm ich den etwas späteren Termin diesmal dankend an. Ich wusste ja nun wirklich, dass ich zur Überschreitung des Geburtstermins neigte und ich mit einem späteren Termin mehr Zeit haben würde, ehe man mir eine Einleitung nahelegte.

Meine Mutter kam zur Unterstützung vor und während der Geburt

Auch diesmal wünschte ich mir, meine Mutter während der Hausgeburt zur Unterstützung dabei zu haben und sie wollte dies wieder ermöglichen. Für die vorherige Geburt war sie mehrmals vergeblich die vier Stunden von der Schweiz zu uns nach München und wieder zurückgefahren, weil wir unsicher waren, ob die Geburt bald losgehen würde. Einfach länger bei uns zu bleiben war damals schwierig, da sie berufstätig war. Diese Zeit vor der Geburt war deshalb sehr nervenzehrend für sie und diesmal plante sie es anders.

Sie hatte sowieso vor, ihre langjährige Arbeitsstelle zu kündigen und legte die Kündigung auf Ende Juni. Eine neue Stelle wollte sie sich erst für nach der Geburt suchen. So hatte sie im Juli frei und konnte bereits am 4. Juli zu uns kommen um bis nach der Geburt bei uns zu bleiben. Am Sonntag, dem 23. Juli, hoffte sie jedoch, spätestens wieder zurück zu sein, da sie ab dem 24. Juli einen Auftrag übernehmen wollte. Sicherheitshalber organisierte sie noch eine Stellvertretung für den Fall, dass das Baby sich sehr viel Zeit lassen würde.

Ein angenehmes Schwangerschaftsende dank meiner Mutter

Ich freute mich sehr über die Ankunft meiner Mutter. Normalerweise besuchte sie uns immer nur für wenige Tage. Dass sie diesmal möglicherweise zwei Wochen bei uns sein würde, fand ich eine sehr schöne Vorstellung. Hoffentlich kommt das Baby nicht zu schnell, dachte ich mir heimlich. Aber diese Sorge erwies sich bald als unnötig.

Die Geburt ließ auf sich warten

Wir rechneten damit, dass sich die Geburt mit dem Abgang des Schleimpfropfs ankündigen würde, so war es bislang immer gewesen. Aber die Tage vergingen wie im Fluge und abgesehen von leichten Übungswehen tat sich bei mir nichts. Meine Mutter und ich wurden zu einem eingespielten Team. Sie half mir im Haushalt und mit den Kindern und meine letzten Schwangerschaftswochen gestalteten sich sehr angenehm.

Meine Mutter bekam Heimweh

Nach anderthalb Wochen begannen meine Eltern einander zu vermissen und wir befürchteten schon, dass die Geburt nicht mehr rechtzeitig stattfinden würde, damit meine Mutter ihren Auftrag übernehmen könne.

Dass meine Mutter langsam Heimweh hatte, war das Einzige, was mich belastete, denn ansonsten fühlte ich mich mit meiner Schwangerschaft noch recht wohl. Nach dem Geburtstermin wäre die Hebamme noch 14 Tage lang bereit gewesen, eine Hausgeburt mit mir zu machen. Ich war zuversichtlich, dass das Baby in diesen 14 Tagen kommen würde.

Den errechneten Geburtstermin überschritten

Der errechnete Termin trat ein und es tat sich weiter nichts. Am dritten Tag nach Überschreitung musste ich zur Frauenärztin zur Kontrolle. Das CTG war unauffällig und der Muttermund noch ganz geschlossen. Es sah nicht nach einer baldigen Geburt aus.

Zeit alleine für meine große Tochter

Im Kindergarten meiner großen Tochter konnte ich nun noch beim Schultütenbasteln teilnehmen. Und zwar ohne Geschwisterkinder. Ein Highlight für meine große Tochter. Sie genoss es, ihre Mama auch einmal für sich alleine zu haben. Das sei der schönste Tag ihres Lebens gewesen, sagte sie. Auch für das Abschiedsfrühstück im Kindergarten konnte ich die kleinen Schwestern bei meiner Mutter lassen. Die Große war überglücklich.

Das ersehnte Anzeichen für eine baldige Geburt

Nach dem Abschiedsfrühstück am Freitag, 21. Juli bemerkte ich endlich eine Veränderung in meinem Ausfluss. Wir alle freuten uns riesig und waren zuversichtlich, dass es in den nächsten Tagen losgehen würde.

Stechender Schmerz beim Spazieren

Am Samstagmittag legte ich mich für zwei Stunden hin um mich auszuruhen für den Fall, dass die Geburt bald sein würde. Nach dem Mittagsschlaf verließen meine Mutter und ich die Wohnung noch für einen Spaziergang. Aber nach hundert Metern spürte ich einen starken stechenden Schmerz im Unterleib, obwohl wir wie immer sehr langsam gingen. Wir kehrten wieder um.

Früh ins Bett zur Sicherheit – und erste ernstzunehmende Wehen

Am Abend ging ich auch schon früh ins Bett, um bei Kräften zu sein, sollte die Geburt in der Nacht stattfinden. Tatsächlich stellte ich um Mitternacht fest, dass ich etwas stärkere Wehen hatte, etwa alle acht Minuten. Bis 02:00 Uhr konnte ich noch schlafen, aber dann wurden die Wehen schon ein bisschen schmerzhafter und ich war nicht mehr müde genug, um dennoch einzunicken. Es gewitterte draußen und ich stellte mir vor, wie meine Hebamme bei diesem Wetter mit dem Fahrrad zu mir radeln würde. Ihre Tasche und den Geburtshocker hatte sie bereits am Vortag bei mir deponiert, da sie an diesem Wochenende kein Auto zur Verfügung hatte.

Der Blasensprung

Um 04:40 Uhr spürte ich, wie meine Fruchtblase platzte. Ich sprang auf und ging ins Bad. Meine vierjährige Tochter bemerkte es und kam gleich mit. Ich erklärte ihr, dass das Baby bald käme und sie sich besser wieder ins Bett legte. Aber sie wollte – wie immer – nicht ohne Mama ins Bett. Ich weckte meinen Mann und wir riefen die Hebamme an. Da meine Wehen immer noch sanft und selten kamen, meinte sie, ich solle mich nochmals hinlegen. Ich ging also nochmals mit meiner Tochter ins Bett und blieb liegen, bis sie schlief. Ich selbst konnte nicht mehr schlafen und stand nach fünfzehn Minuten wieder auf. Meine Tochter merkte es sofort und kam wieder mit mir. Sie schlief dann aber im Wohnzimmer auf dem Sofa neben mir weiter.

Eintreffen der Hebamme und vier Zentimeter Muttermundöffnung

Wir weckten jetzt auch meine Mutter auf und bestellten die Hebamme her. Sie traf um 06:00 Uhr bei uns ein und überprüfte meinen Muttermund. Dieser war vier Zentimeter geöffnet. Ein guter Befund, denn meine Wehen waren ja noch sehr gut erträglich und recht selten, hatten aber offenbar dennoch viel bewirkt.

Gemütliches Zusammensitzen im Wohnzimmer

Meine Mutter und meine Hebamme setzten sich an den Esstisch, ich selbst saß auf dem Sofa. Mein Mann servierte Kaffee, Brot und Kekse und wir plauderten und genossen die Ruhe. Alle Kinder schliefen. Ich war ganz begeistert, man hatte gar nicht das Gefühl, dass wir uns gerade bei einer Geburt befanden. Alle acht Minuten musste ich ein bisschen tiefer ein- und ausatmen und mit meinen Händen etwas in den Rücken drücken. Das war genug, um mit dem noch verhältnismäßig leichten Wehenschmerz zurecht zu kommen.

Wechsel ins Bad – ich plante eine Wassergeburt

Um etwa 07:30 Uhr spürte ich einen leichten Druck nach unten und dachte, dass vielleicht ganz plötzlich die Presswehen kommen könnten. Da wollte ich lieber bereits in der Wanne sein, da ich auf eine Wassergeburt hoffte. Ich begab mich also in die Badewanne. Die Hebamme stellte auch noch den Geburtshocker neben die Wanne und polsterte ihn mit einer Krankenunterlage.

Die Kinder erwachten und verhielten sich ruhig

Die Kinder waren inzwischen erwacht und spielten sehr friedlich im Nebenraum. Mein Mann kümmerte sich um sie. Meine Mutter und die Hebamme waren bei mir im Bad. Während ich mit geschlossenen Augen und leisem Summen eine Wehe veratmete, fühlte ich eine Hand, die mir über die Stirn streichelte. Es war meine älteste Tochter. Ein schönes Gefühl. Ich lächelte sie an und erklärte ihr, dass das Baby bald käme und ich deshalb Bauchweh hatte. Sie lächelte zurück. Auch meine jüngeren Töchter schauten ab und an zu mir rein. Entgegen meiner Befürchtung, verlangte keines der Kinder, zu mir in die Wanne zu steigen. Offenbar konnten sie verstehen, dass es sich gerade um eine Ausnahmesituation handelte. Während ich in der Wanne lag, traf auch die zweite Hebamme bei uns ein, die mich kurz begrüßte und dann erstmal im Wohnzimmer verweilte.

Muttermundöffnung schon acht Zentimeter

Meine Hebamme tastete nochmals den Muttermund ab. Schon acht Zentimeter. Ich war immer noch fasziniert, wie gemütlich die Geburt sich bisher gestaltete. Der Muttermund war ja schon praktisch weit genug geöffnet, obwohl die Wehen immer noch so selten und gut erträglich waren. Jetzt konnte der Pressdrang kommen! Nachdem ich meine Begeisterung aussprach, meinte meine Mutter zu mir, ich solle den Tag nicht vor dem Abend loben. Wie recht sie doch hatte …

Kein Pressdrang – aber immer stärkere Wehen

Denn der Pressdrang kam und kam nicht. Die Wehen jedoch wurden stärker und stärker. Ein paar Mal versuchte ich mich mit Singen vom Schmerz abzulenken. Aber auf einmal wurde ich schrecklich müde und zum Singen fehlte mir die Kraft. Ich war frustriert, weil nichts geschah und besorgt, dass es sich noch ewig hinziehen würde. Es war inzwischen etwa 09:00 Uhr.

Fruchtblase befand sich noch vor dem Muttermund

Meine Hebamme erklärte mir, dass sich die Fruchtblase immer noch am Muttermund befände. Sie sei wohl weit oben geplatzt. Vielleicht war das der Grund, weshalb ich keinen Pressdrang bekam? Bei der dritten Geburt war es ähnlich gewesen. Ich hatte ungeduldig auf das Platzen der Fruchtblase und den Pressdrang gewartet. Erst als ich mich auf den Geburtshocker gesetzt hatte und ohne Pressdrang gepresst hatte, war die Fruchtblase geplatzt. Ich hatte mich damals gefragt, warum ich das nicht schon früher gemacht hatte.

Ich verließ wieder die Badewanne

Jetzt befand ich mich also in einer ähnlichen Situation und versuchte aufgrund der Erfahrung bei der letzten Geburt, bei den Wehen ein wenig zu drücken, aber es half nicht. Ich beschloss deshalb, wieder aufzustehen und die Wanne zu verlassen. Beim Aufstehen bekam ich sogleich eine schmerzhafte Wehe. Ich war unglaublich erschöpft und stützte mich an der Waschmaschine ab. Die Hebamme und meine Mutter fragten, ob ich nicht wieder singen wolle. Das hatte mir bei den vorherigen Geburten sehr geholfen, um mich vom Schmerz abzulenken. Aber jetzt schaffte ich es kaum, einen Ton hervorzubringen. Mir fehlte jegliche Kraft.

Auf dem Geburtshocker platzte die Fruchtblase ein zweites Mal

Ich setzte mich auf den Geburtshocker und meine Mutter, die hinter mir saß, massierte mir den Rücken. Die zweite Hebamme stand inzwischen auch bei uns. Die Wehen waren furchtbar und ich wollte die Geburt endlich zu Ende bringen. Warum fühlte ich keinen Drang zu pressen? Nach noch einigen sehr schmerzhaften Wehen fühlte ich einen etwas stärkeren Druck nach unten. Einen richtigen Pressdrang hatte ich zwar immer noch nicht, aber ich presste bei der darauffolgenden Wehe dennoch aus voller Kraft, sodass die Fruchtblase ein zweites Mal platzte.

Die Herztöne des Babys fielen ab

Meine Hebamme hörte sofort die Herztöne des Babys ab. Diese waren wohl stark verlangsamt durch den Schreck, den das Baby mit dem Platzen der Fruchtblase bekommen hatte. Ich sollte nun sofort vom Geburtshocker steigen und in den Vierfüßlerstand wechseln. Dies tat ich dann und stützte mich am Geburtshocker ab. Mit Pressen sollte ich erstmal warten, damit sich das Baby wieder erholen konnte.

Die Geburt im Vierfüßlerstand

Die Hebamme bat mich, die Wehen abzuwarten und diese mit einem „sch-sch-sch“ zu veratmen. Meine Mutter und meine Hebamme stimmten gleich mit ein und zu einem dreistimmigen „sch-sch-sch“ vergingen zwei weitere Wehen. Danach erlaubte mir die Hebamme wieder zu pressen und ich gebar innerhalb weniger Minuten mein viertes Baby. Es weinte nicht, aber ich sah, wie es atmete.

Die Hebamme schob es etwas weiter vor und forderte mich auf, es hochzunehmen. Ich schloss es in die Arme und deckte es mit einem Handtuch zu, das mir die Hebamme gereicht hatte. Das Geschlecht konnte ich gar nicht erkennen, weil die Nabelschnur im Weg war. Meine Mutter fragte, was es wäre und meine Hebamme antwortete, ein Mädchen. Unser viertes Mädchen! Wir hatten es uns doch gedacht!

Nachgeburt und Auspulsieren der Nabelschnur

Ich setzte mich mit dem Baby im Arm auf den Geburtshocker. Die Hebamme drückte mir sanft in den Bauch und so konnte ich augenblicklich die Plazenta herauspressen. Diese war ganz vollständig. Die Nabelschnur pulsierte noch stark, weshalb ich noch etwa zehn Minuten auf dem Hocker sitzen blieb, bis sie auspulsiert war. Meine drei großen Töchter und mein Mann waren inzwischen bei uns. Niemand riss sich darum, die Nabelschnur abzutrennen. Deshalb erledigte dies die Hebamme selbst.

Keine Geburtsverletzungen

Ich gab das Baby an meinen Mann ab und ging unter die Dusche. Diesmal war ich wieder stabiler auf den Beinen als nach der dritten Geburt. Nach dem Duschen legte ich mich ins Bett und meine Hebamme schaute nach, ob ich Geburtsverletzungen hatte. Aber diesmal hatte ich weder Schürfwunden, noch einen Dammriss und musste nicht genäht werden.

Ein Stück Plazenta gegen die Nachwehen

Die zweite Hebamme schnitt mir nun wieder ein paar kleine Stückchen der Plazenta ab, die ich verzehrte, um die Nachwehen zu lindern. Meine Töchter waren ganz verwirrt, weil ich Fleisch zu mir nahm. Das sei doch nicht vegan, riefen sie aus.

Daraufhin legte mein Mann mein Neugeborenes neben mich, ich stillte es zum ersten Mal und staunte über dieses wundervolle Geschenk. So klein und zart. Mein viertes Mädchen!

Abschied von den Hebammen und meiner Mutter

Schon bald verabschiedete sich die zweite Hebamme und auch meine vertrautere Hebamme verließ uns nach einer weiteren Stunde, in der sie das Baby noch gewogen und gemessen hatte. Meine Mutter war ebenfalls froh, dass sie ein paar Stunden später heimfahren konnte, weil sie es so noch schaffte, sich für ihre Arbeit vorzubereiten. Unser kleiner Engel war gerade noch rechtzeitig geboren!

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