Viele Kinder, viele Herausforderungen, viele Vorteile

Viele Kinder, viele Herausforderungen, viele Vorteile!

Wenn man viele Kinder hat, wird einiges, was mit nur einem Kind noch problemlos möglich war, auf einmal zu einer Herausforderung. Manche Dinge muss man wohl eine Zeit lang bleiben lassen, um sich nicht zu überfordern. Ich finde das manchmal schon schade und frage mich, ob meine großen Töchter vielleicht zu kurz kommen. Andere Kinder in deren Alter, die keine kleinen Geschwister haben, unternehmen teilweise mehr als meine und besuchen auch mehr Kurse.

Kursbesuche können zum Stress werden

Ich hatte meine älteste Tochter zur „musikalischen Früherziehung“ der Stadt München angemeldet. Sie dort hinzubringen war aber ganz und gar nicht entspannt. Der Musikunterricht fand leider in einer weiter entfernten Schule statt, sodass ich dazwischen weder nach Hause gehen konnte, noch in der Schule bleiben durfte, da es dort ein Aufenthaltsverbot für Eltern gab. Ich musste also die Zeit außerhalb des Schulgeländes mit meinen zwei kleinen Kindern totschlagen. Ich verbrachte diese Zeit im naheliegenden DM, trödelte dort mit dem Befüllen meines Einkaufswagens herum und ließ die Kinder auf dem Schaukelpferd hopsen.

Ich überlegte, ob ich meine große Tochter aus dem Kurs rausnehmen sollte, aber mein Mann meinte, sie könne ja nicht dafür „bestraft“ werden, dass sie kleine Geschwister habe.

Da die Musiklehrerin dann aber erkrankte, fielen etwa sechs Unterrichtseinheiten aus. Ich schrieb dann einen Brief an die Stadt und erhielt einen Platz für meine Tochter in der „musikalischen Grundausbildung“ an unserer näher gelegenen Schule für September. Die musikalische Früherziehung brachen wir ab.

Ich muss gestehen, dass ich sehr erleichtert darüber bin. Ab September kann sie mit bald sieben Jahren wahrscheinlich schon alleine in den Kurs gehen.

Kino und Schwimmbad – das schaffe ich nicht alleine mit den Kindern

Was überhaupt nicht möglich ist, ist einfach mal an einem Nachmittag mit den Kindern ins Kino zu gehen. Dazu ist die Jüngste noch zu klein. Ich bräuchte einen Babysitter für die Kleine. Aber das wird dann gleich ein sehr teures Unterfangen. Und die fünf Nachmittage im Monat, an denen unsere Babysitterin ohnehin kommt, nutze ich dann doch lieber für meinen Kram, den ich sonst ja auch nicht schaffe.

Auch ins Schwimmbad gehe ich keinesfalls alleine mit allen drei Kindern. Das ist mir nicht nur zu umständlich, sondern auch zu gefährlich. Keines meiner Kinder kann sicher schwimmen. Wie soll ich im Wasser zwischen Menschenmassen auf drei Kinder gleichzeitig achten? Während andere Kinder unter der Woche bei großer Hitze ins Freibad gehen, können unsere nur auf dem Balkon im Wäschebecken oder im aufblasbaren Pool plantschen.

Viele Kinder im Auge behalten – nicht immer leicht

Vor ein paar Monaten war ich mit einer Freundin, ihrer Tochter und meinen drei Kindern auf einem Gnadenhof. Meine Töchter verteilten sich in verschiedene Richtungen und es fiel mir schwer, alle drei im Blick zu behalten.

Auf einmal rannten zwei Ponys auf meine anderthalbjährige Tochter zu, die auf einem gekieselten Weg stand. Ich sah es, stand aber zu weit weg, um sie zu schützen. Sie wurde von den beiden Ponys umgerannt, fiel auf die Stirn und blutete stark. Wir fuhren mit ihr in die Klinik, um die kreuzförmige Wunde zukleben zu lassen. Da sie die Wunde sogleich wieder aufkratzte, trägt sie davon nun ihr Leben lang eine Narbe.

Ich machte mir daraufhin viele Vorwürfe und Gedanken darum, ob ich besser auf sie hätte aufpassen müssen. Natürlich kann man seine Kinder nicht vor allem bewahren. Aber hätte ich sie davor behüten können? Wäre sie mein einziges Kind gewesen, hätte sie sich vielleicht nicht so weit von mir distanziert. Mir war aber auch nicht bewusst, dass diese kleinen Ponys, die auf dem gesamten Hof frei herumliefen, eine Gefahr darstellten.

Kinder brauchen auch Freiraum

Auf der anderen Seite wird man durch viele Kinder sicher entspannter. Einen gewissen Freiraum brauchen Kinder ja auch, um sich zu entfalten und wenn man versucht, sie vor allem zu bewahren, tut man ihnen wahrscheinlich auch keinen Gefallen.

Das Kleinste ist der Störenfried

Unser Abendritual gestaltet sich sehr oft schwierig. Ehe ich mich mit den Kindern ins Bett lege, lese ich jedem Kind ein Buch oder eine Geschichte seiner Wahl vor. Die Kleine verliert oft die Geduld und fängt an, dazwischen zu schreien und uns das Buch wegzureißen.

Wenn ich am Wohnzimmertisch mit den Großen etwas bastle oder male, klettert die Kleine auf den Tisch und malt unser Bild, sich selbst oder den Tisch voll oder wirft die Buntstifte vom Tisch.

Bauen wir etwas auf dem Teppich auf, zum Beispiel ein Playmobilset, wird es oftmals von der Kleinen zerstört.

Auch Gesellschaftsspiele machen wir eher selten, da dabei meistens mindestens ein Kind außen vor bleibt, weil es noch nicht das nötige Alter und Niveau erreicht hat.

Wie bringt man das kleinste Kind mittags ins Bett?

Inzwischen macht meine kleinste Tochter keinen Mittagsschlaf mehr. Aber als sie diesen noch brauchte, war auch das eine Herausforderung. Die großen Kinder, die keinen Mittagsschlaf mehr benötigten, ließen ihr dazu nicht die Ruhe. Es klappte nur, wenn sie auf meinem Rücken in der Manducatrage schlief. Sie im Bett in den Schlaf zu begleiten, war praktisch ein Ding der Unmöglichkeit, weil die Geschwister immer dazu kamen und herumtobten.

Das Kochen ist auch nicht immer leicht

Auch beim Kochen kann es mühsam werden. Wenn ich in der Küche anfange, das Essen vorzubereiten, kommt manchmal ein Kind nach dem anderen angerannt, schiebt einen Stuhl an die Küchenzeile, klettert hoch und will mir helfen. Es ist dann nicht leicht, für jedes Kind eine Aufgabe zu finden. Und oftmals streiten sie sich auch noch darum, wer wobei helfen darf. Über den Ausdruck „helfen“ kann ich auch nur schmunzeln, stellt deren Mitwirkung vielmehr eine Behinderung als eine Hilfe dar. Obwohl sie es natürlich gut meinen und ich mich ja auch freue, wenn sie sich hilfsbereit zeigen.

Selbst wenn sie nicht helfen wollen, kommen sie oft mit ihren Spielsachen zu mir in die Küche und breiten diese in dem ohnehin schon engen Raum aus. Das macht mich manchmal wahnsinnig!

Bis man mal das Haus verlassen hat …

Besonders nervig ist es im Winter, das Haus zu verlassen. Bis man so viele Kinder mit Strumpfhosen, Hosen, Unterhemd, Unterpulli, Pulli, Schneeanzug, Handschuhen, Schals, Mütze und Stiefeln bekleidet hat, vergeht so viel Zeit. Diese Zeit muss man also unbedingt einplanen, wenn man irgendwo pünktlich ankommen will. Ich überlege mir drei Mal, ob es wirklich nötig ist, das Haus zu verlassen.

Nervenzehrende Streitereien zwischen den Kindern

Außerdem streiten die Kinder sehr oft. Ständig hat ein Kind Angst, benachteiligt zu werden. Sie vergleichen immer, was sie bekommen und sind sehr schnell eifersüchtig. Sie genießen es gleichzeitig sehr, vom Geschwisterkind beneidet zu werden. Wenn sie also etwas haben, das das andere Kind nicht hat, muss das sofort laut herausgebrüllt werden. Und sogleich fängt das andere Kind zu heulen an.

Generell ärgern und provozieren sie einander sehr gerne. Sie kneifen einander oder rennen brüllend hintereinander her. Wenn ein Kind mal zuhaut, haut das andere natürlich zurück – bis eines sich wirklich weh tut und weinend bei mir aufkreuzt.

Das sind Dinge, die ganz schön an meinen Nerven zehren können. Auch der Geräuschpegel, den die Kinder verursachen, ist manchmal kaum zu ertragen.

Die schwierige Zeit ist begrenzt

Das Gute ist, dass die Kinder alle größer und selbständiger werden und diese schwierige Zeit begrenzt ist. Es ist zwar so, dass ich manches mit meinen einzelnen Kindern im Moment nicht so auskosten und genießen kann. Zeit für jedes einzelne Kind alleine zu finden, ist derzeit fast nicht möglich.

Aber die Zeit, in der wieder mehr möglich ist, wird sicher noch kommen. Und bis dahin freuen wir uns über die Vorteile, die uns unsere noch kleinen Kinder bieten. Das Kuscheln, die niedlichen Dialoge, ihr strahlendes Lachen und ihre leichte Begeisterungsfähigkeit … Jedes Kind ist ein Individuum und jedes ist für unsere Familie mit seinen besonderen Eigenschaften eine große Bereicherung.

Die Kinder haben einander zum Spielen und Trostspenden

Genauso oft wie unsere Kinder sich streiten, spielen sie auch sehr schön miteinander. Sie lieben einander über alles, das merkt man immer wieder. Wenn eine meiner Töchter weint, wird sie von ihren Schwestern umarmt und getröstet.

Sie würden niemals eines ihrer Geschwister missen wollen und freuen sich auch wahnsinnig auf das nächste Baby, auch wenn das für sie bedeuten wird, dass sie ihre Eltern mit noch jemandem teilen müssen.

Viele Kinder füllen den Tag aus – Langeweile ist selten

Ich muss sagen, dass es mir oft auch sehr langweilig war, als ich noch mit meiner großen Tochter alleine zuhause war. Der Tag kam mir manchmal endlos vor und ich begann viel zu früh mit dem Abendessen kochen, stand dann ungeduldig am Fenster und ärgerte mich über jede Minute, die mein Mann später nach Hause kam als üblich.

Inzwischen ist es eher so, dass ich froh bin, wenn ich das Abendessen rechtzeitig fertigkriege. Mit der Arbeit, die viele Kinder machen, ist man als Vollzeitmutter und Hausfrau ganz gut ausgelastet, was ich gar nicht schlecht finde.

Ich stecke nicht alle Erwartungen in ein Kind

Was ich auch glaube, ist, dass ich meine Kinder viel gelassener groß werden lasse, als wenn wir nur eines hätten. Als ich nur meine große Tochter hatte, hing ich zum Beispiel an ihren langen Haaren und sie musste immer schön frisiert und gekleidet sein. Ich freute mich über jede ihrer Stärken und sorgte mich um jede ihrer Schwächen. Ich verglich sie auch oft mit anderen Kindern ihres Alters. Seit ich mehrere Kinder habe, bin ich in dieser Beziehung viel entspannter.

Ich stecke nicht mehr alle meine Erwartungen in ein einzelnes Kind. Jedes Kind darf seine Stärken und Schwächen haben. Ob sie kurzes oder langes Haar haben, spielt für mich keine Rolle mehr. Perfekt frisiert und angezogen sind sie nur noch selten, dazu fehlt mir nicht nur die Muße, sondern auch schlicht und einfach die Zeit. Die Kinder freuen sich, dass sie ihre Klamotten und ihre Frisur selbst aussuchen dürfen und ich nicht ewig auf sie einrede, wenn es mir nicht gefällt.

Ich denke also, dadurch, dass wir mehrere Kinder haben, fällt es uns leichter, unsere Kinder so sein zu lassen und so zu akzeptieren, wie sie sind. Und das ist doch das Wichtigste, oder?

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