Tandemstillen Abstillen Langzeitstillen

Tandemstillen und das Abstillen meines ersten Kindes

Wie ich bereits in meinem Beitrag „Was ich beim Stillen alles unterlassen sollte“ schilderte, stillte ich meine Babys nicht nur, wenn sie Hunger hatten, sondern auch zum Trost, zur Beruhigung, zum Einschlafen oder wenn sie einfach das Bedürfnis nach Nähe hatten. Ich genoss diese Nähe zu meinen Kindern und diese Momente der Ruhe beim Stillen und konnte mir bei meiner ersten Tochter gar nicht vorstellen, ihr die Brust einfach zu verweigern und sie abzustillen. Beim Gedanken daran kamen mir gleich die Tränen. Das Stillen bedeutete uns beiden so viel.

Das Gefühl beim Stillen veränderte sich während der Schwangerschaft

Als meine Tochter anderthalb war, wurde ich erneut schwanger. Im Laufe dieser Schwangerschaft veränderte sich mein Gefühl beim Stillen. Auf einmal war es mir unangenehm, meine große Tochter zu stillen. Es fühlte sich nicht mehr richtig an und ich konnte es nur noch selten genießen. Außerdem war es zeitweise auch etwas schmerzhaft, weil meine Brustwarzen durch die Hormonveränderung in der Schwangerschaft empfindlicher wurden.

Ich wünschte mir, dass meine Tochter sich selbst abstillte

Dennoch konnte ich mir nicht vorstellen, sie abzustillen. Ich wünschte mir so sehr, dass sie sich den Zeitpunkt des Abstillens selbst aussuchte. Ich dachte, das Stillen würde nach der Geburt mit der erneuten hormonellen Umstellung wieder wie vorher und ich würde meiner großen Tochter das Abstillen selbst überlassen können, wenn der richtige Moment für sie gekommen wäre.

Ich stillte während der ganzen Schwangerschaft weiter

Obwohl ich mich beim Stillen nicht mehr wohl fühlte, stillte ich in der gesamten Schwangerschaft weiter. Ich versuchte, mit sanften Methoden die Stillhäufigkeit zu reduzieren. Indem ich die Brust beispielsweise nicht mehr aktiv anbot, sondern meiner Tochter mit Snacks zuvorkam, damit sie seltener die Brust verlangte. Das half zwar, aber ans gänzliche Abstillen dachte meine Tochter ganz und gar nicht.

Ich hatte gelesen, dass manche Kinder sich abstillten, weil die Milchmenge in der Schwangerschaft zurückginge oder der Geschmack der Milch sich veränderte. Ich weiß nicht, ob meine Milch sich geschmacklich veränderte. Meine Tochter ließ sich nichts anmerken. Die Milchmenge ging aber ganz sicher zurück. Das hinderte meine Tochter jedoch nicht im Geringsten daran, die Brust weiterhin zu verlangen.

Es war nun für mich klar, dass ich nach der Geburt zwei Kinder, also tandemstillen, würde. Ich hatte gelesen, dass Kinder, die nicht abgestillt würden, weniger eifersüchtig auf deren neugeborenes Geschwisterkind reagierten. Das munterte mich auf. Ich war auch sehr gespannt darauf, diese Erfahrung mit dem Tandemstillen zu machen.

Gleichzeitig machte ich mir aber natürlich auch Sorgen. Ich benutzte das Stillen ja auch zum Einschlafen. Wie sollte das mit zwei gestillten Kindern funktionieren? Meine Stillberaterin meinte, das würde sicher nicht klappen, in der Nacht müsste ich die Große abstillen. Ich beschloss aber, nicht schon vorab Maßnahmen zu ergreifen, sondern sollte es tatsächlich nicht funktionieren, nach der Geburt eine Lösung zu suchen.

Das Tandemstillen funktionierte besser als erwartet

Als mein Baby zur Welt kam, verlangte meine große Tochter die Brust wieder viel häufiger. Zu Beginn wollte sie meistens auch gestillt werden, wenn sie sah, dass ich das Neugeborene stillte. Sie genoss die gestiegene Milchmenge ungemein und bekam richtige dicke Bäckchen. Normales Essen nahm sie die ersten Wochen kaum mehr zu sich, sodass sie fast wieder einen Neugeborenenstuhlgang hatte. Dies normalisierte sich aber schon bald.

Auch was das abendliche Einschlafen anging, war das Tandemstillen weniger problematisch, als ich erwartet hatte. Am Abend blieb die Kleine meistens bei meinem Mann, während ich die Große ins Bett brachte und in den Schlaf stillte. Selten nahm ich beide Kinder mit. Das war zwar etwas schwieriger, aber selbst das funktionierte. Ich drehte mich, bis eines der Kinder eingeschlafen war, hin und her. Immer, wenn das Kind ohne Brust weinte, zog ich dem anderen die Brust weg und wendete mich dem weinenden zu. Irgendwann schlief eines ein und dann konnte ich dem noch wachen Kind die Brust lassen, bis es ebenfalls in den Schlaf fand.

Vorteile durch das Tandemstillen

Im Gegensatz zu den recht heftigen Schmerzen beim Stillbeginn nach der ersten Geburt tat mir das Stillen diesmal überhaupt nicht weh. Das war sicherlich ein Vorteil daran, dass ich meine große Tochter nicht abgestillt hatte und meine Brustwarzen dadurch schon desensibilisiert waren.

Tatsächlich war unsere ältere Tochter auch gar nicht eifersüchtig auf ihre kleine Schwester. Ich weiß aber nicht, ob das mit dem Tandemstillen zusammenhing oder einfach nur an ihrem Wesen lag.

Weiterhin kein gutes Gefühl beim Stillen meiner großen Tochter

Obwohl das Tandemstillen sehr gut funktionierte, dachte ich nach wenigen Wochen übers Abstillen nach. Denn leider fühlte es sich für mich nach wie vor nicht mehr natürlich an, meine große Tochter zu stillen. Es war mir immer noch unangenehm, obwohl ich nicht mehr schwanger war. Ich hatte den Eindruck, dass mein Körper mir seit der Schwangerschaft ein Signal gab, dass es genug war und beschloss nun endlich, diesem Signal zu folgen. Denn bis meine große Tochter sich von selbst abgestillt hätte, wären vermutlich noch Jahre vergangen. Darauf konnte ich nicht mehr warten.

Der Entschluss zum Abstillen

Meine große Tochter war inzwischen fast 2,5 Jahre alt und konnte schon fließend sprechen. Nachdem ich zwei Monate lang tandemgestillt hatte, erklärte ich ihr, dass sie nun groß sei und die Milch nicht mehr brauche. Ihre Schwester hingegen bräuchte ganz viel Milch, weil sie sonst noch nichts essen könne. Interessanterweise reagierte sie darauf mit viel Verständnis. Zumindest tagsüber. Abends war es schwieriger, war sie es ja gewöhnt, zum Einschlafen die Brust zu bekommen.

Tragen statt Stillen zum Einschlafen

Weil ich nicht wollte, dass sie sich in den Schlaf weinte, trug ich sie zum Einschlafen im Rucksack, lief im abgedunkelten Schlafzimmer hin und her und legte sie ab, als sie fest schlief. In der ersten Nacht wachte sie noch einmal auf. Normalerweise hätte ich ihr zum Wiedereinschlafen die Brust gegeben. Stattdessen stand ich auch diesmal auf und trug sie auf dem Rücken hin und her. Das war aber nur dieses eine Mal nötig. In den folgenden Nächten schlief sie bereits durch oder meldete sich zumindest nicht, wenn sie aufwachte.

Mir war es wichtig, das neue Einschlafritual erst einmal selbst zu übernehmen und nicht, wie ich es von vielen anderen Müttern schon gehört hatte, meinem Mann zu überlassen. Ich dachte mir, die Fixierung wäre ja nicht nur auf meine Brust, sondern auch auf mich als Mutter und hätte ich das neue Ritual sofort meinem Mann überlassen, wäre es womöglich ein doppelter Verlust für sie gewesen.

Sie weinte so kein bisschen und ich war unglaublich zufrieden und erleichtert. Nach ein paar Tagen übernahm mein Mann es, sie in den Schlaf zu tragen. Damit war meine Tochter einverstanden und ich konnte mich währenddessen um das Baby kümmern.

Mein Mann trug die Große dann ein ganzes Jahr abends auf diese Weise in den Schlaf! Man hätte es ihr längst abgewöhnen können, aber meinem Mann gefiel dieses Einschlafritual sehr und es dauerte nicht lange. Er genoss diesen Moment mit unserer Tochter. Sie unterhielten sich dabei eine Weile, dann las er noch spazierend die Nachrichten auf seinem Handy und da schlief sie auch schon ein.

Etwas umständlicher war es nur für mich, wenn mein Mann am Abend nicht bei uns war. Ich lief dann mit meiner großen Tochter auf dem Rücken und meinem Baby am Bauch (in zwei Manduca-Tragen) hin und her bis sie beide einschliefen und ich sie ablegen konnte. Das war sicher nicht ideal, aber kam nur selten vor.

Abgewöhnung des neuen Einschlafrituals

Nach einem Jahr stellten wir fest, dass die täglichen fürchterlichen Knoten in den Haaren meiner großen Tochter durch das abendliche Tragen im Rucksack verursacht wurden. Unter der Kopfstütze drehte sie ihren Kopf hin und her. Bei der Reibung verdrehten sich die Haare. Diese Erkenntnis nahmen wir dann als Anlass, uns von dem Einschlafritual im Rucksack zu verabschieden. Unsere Tochter konnte das gut verstehen und akzeptierte es ohne Protest. Sie hasste nämlich das tägliche Haarekämmen und war heilfroh, dass bald weniger Kämmen nötig sein würde.

Eine bereichernde Erfahrung, die ich aber nicht wiederholen wollte

Obwohl ich diese Erfahrung mit dem Tandemstillen nicht hätte missen wollen und die Entscheidung, es auszuprobieren, in keiner Weise bereute, war für mich klar, dass ich in einer weiteren Schwangerschaft abstillen würde, sobald mir das Stillen unangenehm sein würde. Ich wollte deshalb etwas länger warten mit der dritten Schwangerschaft, um mein zweites Baby dennoch zwei Jahre zu stillen. Weniger als zwei Jahre erschien mir als sehr kurz.

Allerdings traf die nächste Schwangerschaft unerwartet sogar noch früher ein, sodass ich meine zweite Tochter bereits mit fünfzehn Monaten abstillte. Das war für mich das Schwierigste und Traurigste, das ich bislang als Mutter durchmachen musste. Darüber werde ich in einem späteren Beitrag berichten.

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