Schadet Fernsehen Kindern

Kinder und Fernsehkonsum – Schadet Fernsehen Kindern?

Obwohl ich eher skeptisch bin gegenüber der bei uns verbreiteten Meinung, dass Fernsehen für Kinder so schädlich sei, lassen auch wir unsere Kinder nur wenig fernsehen. Wirklich „fernsehen“ eigentlich überhaupt nicht. Wenn, dann schauen sie DVDs, in der Regel auf Spanisch. Dafür haben sie sogar einen Fernseher im Spielzimmer hängen, auf dem man außer DVDs allerdings gar nichts schauen kann.

Wochenendregelung zum Fernsehen

Bei uns gibt es die typische Wochenendregelung. Unter der Woche wird nichts geschaut. Am Wochenende setzen wir unseren Kindern dafür keine Grenzen. Wenn sie gerade neue DVDs haben, können sie oft nicht genug davon kriegen und verbringen viele Stunden mit Schauen. In der Regel fängt es sie aber von selbst irgendwann an zu langweilen und sie machen etwas Anderes. Außerdem unternehmen wir ja oft auch etwas und verbringen gar nicht so viel Zeit zuhause, sodass die Zeit, in der sie Filme schauen, indirekt doch auch am Wochenende begrenzt wird.

Warum wir diese Wochenendregelung zum Fernsehen haben?

Als meine erste Tochter etwa zweieinhalb Jahre alt war, bestellte ich die ersten Filme auf Spanisch und fing an, sie ab und zu schauen zu lassen. Sie bat mich dann jeden Tag und sehr häufig darum. Wenn ich es einmal nicht wollte, war ich einem Riesengebrüll ausgesetzt.

Ich überlegte, wie ich das Fernsehen eingrenzen und diesen ständigen Kampf gleichzeitig umgehen könnte und kam zum Entschluss, eine klare Regelung einzuführen.

Ich weiß von einer Freundin, dass sie ihre Kinder immer vor dem Abendessen, während sie in Ruhe kochen möchte, fernsehen lässt. Das ist sicher eine gute Möglichkeit. Wir haben uns jedoch für das Wochenende entschieden. Diese Regelung ist für die Kinder einfach, verständlich und hilft tatsächlich sehr. Unter der Woche fragen unsere Kinder nur selten danach, weil sie wissen, dass es dann tabu ist. Am Wochenende setzen wir keine Grenzen, also haben wir auch dann keine Diskussionen.

Für mich ist es natürlich auch eine Entlastung, wenn die Kinder vom Fernseher „unterhalten“ werden. Das bedeutet, dass ich als Mutter etwas weniger gefordert werde und sich so das Wochenende auch für mich von den Werktagen unterscheidet.

Warum aber begrenzen wir den Fernsehkonsum überhaupt?

Dass wir den Fernsehkonsum überhaupt begrenzen, liegt ein Stück weit an meinem Bauchgefühl, das vielleicht auch geprägt ist durch die bei uns gängige Ansicht, zu viel Fernsehen würde den Kindern nicht guttun.

Hinzu kommt aber auch der Gedanke, dass sie, wenn sie zu viel Zeit vor dem Fernseher verbringen, mit ihren zahlreichen Spielsachen gar nicht mehr spielen und ihre motorischen Fähigkeiten und ihre Fantasie womöglich nicht wirklich entfalten könnten.

Ich fühle mich einfach wohler mit dieser Regelung. Alleine auch schon wegen des Geräuschpegels bei einem laufenden Fernseher. Es sitzen ja selten alle drei Kinder davor. Wer nicht mitschauen mag, hat zum Spielen oder Kreativsein dann jedoch keine Ruhe. Das muss nicht an allen Wochentagen sein.

Welchen Einfluss hat das Fernsehen auf die Entwicklung?

Bei einem Vortrag neulich an der zukünftigen Schule meiner Tochter wurde uns anhand der folgenden Bilder gezeigt, dass Schulanfänger, die viel fernsehen, wesentlich schlechter zeichneten als Kinder, bei denen der Fernsehkonsum begrenzt würde. Damit wurde uns nahegelegt, den Fernsehkonsum unserer Kinder zu beschränken.

Schadet Fernsehen Kinder TV-Konsum

Dass diese Kinder, die viel fernsehen, weniger gut zeichnen, liegt aber meiner Meinung nach nicht unbedingt daran, dass sie durch das Fernsehen, also die Inhalte des Gesehenen, "geschädigt" sind, sondern schlicht daran, dass sie aufgrund des hohen Fernsehkonsums weniger Zeit mit Zeichnen verbringen und dadurch weniger Übung darin haben.

Fernsehen macht nicht dick

Umstritten ist auch die Aussage, dass Fernsehen dick mache. Zum einen liegt das Übergewicht dieser Kinder, wenn überhaupt ein Zusammenhang mit dem Fernsehen besteht, sicher nicht am „Fernseher“, denn dieser lässt sich ja nicht verspeisen. Es liegt wenn, dann eher an den Lebensmitteln, die Eltern ihren Kindern während des Fernsehkonsums anbieten. Dies ist aber etwas, was man als Eltern sehr leicht unter Kontrolle hat. Man muss den Kindern ja keine Chips oder Schokokekse hinstellen. Unsere Kinder essen vor dem Fernseher sehr gerne Obst oder Rohkost.

Dass es an mangelnder Bewegung liegt, weil Kinder, die viel fernsehen, sich weniger bewegen, ist auch nicht erwiesen. Studien belegen sogar, dass Kinder, die wenig fernsehen, sich auch nicht signifikant mehr bewegen als Kinder, die viel fernsehen. Sie gehen stattdessen anderen sitzenden Beschäftigungen nach. Wie eben zum Beispiel Zeichnen. Darin scheinen Kinder, die weniger fernsehen, ja offensichtlich auch mehr Übung zu haben. Aber dabei verbraucht man auch nicht viel mehr Kalorien als beim Fernsehen.

Definitiv erwiesen ist, dass das vermehrte Übergewicht der heutigen Kinder nicht mit mangelnder Bewegung zu tun hat, sondern in allererster Linie mit der Ernährungsweise. In den Siebzigerjahren schauten Kinder genauso viel fern wie heute, dennoch gab es wesentlich weniger übergewichtige Kinder.

Macht Fernsehen Kinder nervös?

Manche Eltern berichten, dass ihre Kinder durch das Fernsehen aufgedrehter wären. Bei meinen Kindern stelle ich allerdings keinen Unterschied in ihrem Verhalten fest, weder während sie fernsehen, noch nachdem sie eine Sendung gesehen haben.

DVDs statt Fernsehprogramm

Da ich mit meinen Kindern Spanisch spreche (warum?) und ich deren Spanisch noch zusätzlich fördern wollte, hatte ich die Idee, sie nach Möglichkeit nur auf Spanisch fernsehen zu lassen. Dies ist aber in Deutschland schwierig, so haben wir keinen einzigen spanischen Fernsehsender und auch bei Netflix oder anderen Anbietern gibt es nur selten spanische Sprachfassungen. Auf Youtube lasse ich die Kinder nicht gerne Videos sehen. Ich mag es nicht, wenn sie an meinem Computer sind. Auch die Werbeunterbrechungen auf Youtube stören mich. Und was die Kinder sich genau ansehen, ist schwer kontrollierbar, wenn man nicht ständig dabeisitzt.

Deshalb fing ich an, DVDs auf Spanisch zu besorgen. In Deutschland enthalten leider die wenigsten DVDs eine spanische Tonspur, weshalb ich ab und zu DVDs aus Spanien über Amazon Spanien bestelle.

Der Nachteil ist, dass unsere DVD-Sammlung immer größer wird und irgendwo einen Platz finden muss. Platz ist bei uns bekanntlich nicht gerade im Überfluss vorhanden.

Vorteile von DVDs

Besondere Förderung des Spracherwerbs

Ein besonderer Vorteil von DVDs im Gegensatz zum Fernsehen liegt in der Wiederholbarkeit. Während unsere Kinder sich eine Fernsehsendung nur einmal anschauen würden, schauen sie sich ihre DVDs immer wieder an.

Beim erstmaligen Anschauen einer Sendung versteht ein Kind davon nur Bruchteile. Bei jedem weiteren Mal fallen ihm neue Dinge auf. Es hört immer wieder dieselben Sätze und Begriffe, die sich dadurch irgendwann einprägen. Ich staune, mit was für einem Vokabular meine Töchter mir von den Filmen erzählen, die sie gesehen haben. Sie verwenden Begriffe, die sie von mir definitiv nicht gelernt haben. Inzwischen lerne ich schon fast mehr Spanisch von meinen großen Töchtern als sie von mir.

Keine Werbung

Froh bin ich auch, dass die Kinder durch das Umgehen des Fernsehens nicht mit Fernsehwerbung konfrontiert werden. So werden keine unnötigen zusätzlichen Bedürfnisse bei unseren Kindern geweckt. Solange sie nicht wissen, was es alles an zuckerhaltigen Getränken, ungesunden Esswaren und überflüssigen Spielsachen gibt, vermissen sie diese auch nicht.

Schadet Fernsehen den Kindern?

Dass das DVD-Schauen unseren Kindern schadet, glaube ich ganz und gar nicht. Im Gegenteil. Natürlich hängt es auch davon ab, was wir unseren Kindern zeigen. Das haben wir mit DVDs ja ganz gut unter Kontrolle.

Aber auch beim Fernsehen kann man die Sender eingrenzen, sodass die Kinder nicht Dinge sehen, die für sie ungeeignet sind.

Inzwischen legen die meisten Produzenten von Kindersendungen Wert auf einen pädagogisch sinnvollen Gehalt. Es gibt zahlreiche Sendungen wie zum Beispiel „Peppa Pig“ oder „Die Sendung mit dem Elefanten“, bei denen Kinder jenseits der Sprache noch jede Menge mehr lernen. Ich denke, Kinder können teilweise sogar vom Fernsehkonsum profitieren, indem sie ihr Wissen erweitern.

Ich selbst durfte nicht wenig fernsehen

Ich selbst durfte übrigens als Kind nicht wenig fernsehen. Als Kleinkind zwar wirklich nur altersgerechte Sendungen, die ja damals nicht in Dauerschleife liefen. Wir hatten auch nur einen Fernseher und da ich mit zwei Brüdern aufwuchs, konnte nicht jeder immer das schauen, was er wollte. Das Programm meiner Brüder interessierte mich oftmals nicht. Außerdem lebten wir in einem Wohnviertel mit sehr vielen Kindern und verbrachten viel Zeit draußen.

Es gab Zeiten, in denen ich viel fernsah, aber auch Zeiten, in denen es mich kaum interessierte. In meiner Jugend schaute ich fast gar nicht mehr und heute auch nur selten.

Hat es mir geschadet? Vielleicht hätte ich mehr gezeichnet, wenn ich weniger ferngesehen hätte und wäre später nicht durch die Aufnahmeprüfungen des Lehrerseminars gefallen? Das ist natürlich nicht ernst gemeint. Ich habe als Kind sehr viel gezeichnet, meine Bilder zählten in meiner Klasse sogar oft zu den schönsten.

Eltern als Vorbild

Meine Eltern sahen nie viel fern. Tagsüber schon gar nicht. Bei mir ist das genauso. Vielleicht haben auch wir Eltern als Vorbild Einfluss darauf, wie sehr Kinder das Fernsehen langfristig in ihren Alltag einbinden?

Kinder in ihrem Fernsehkonsum begleiten

Die Kinder lieben es, wenn wir uns eine Sendung gemeinsam ansehen und betteln immer wieder darum.

Als Eltern die Kinder in ihrem Fernsehkonsum zu begleiten, halte ich für sehr sinnvoll. Hierbei kann man Dinge, die man sich miteinander ansieht, direkt besprechen. Kindern Inhalte erklären, die sie vielleicht selbst noch nicht in der Lage wären zu verstehen. Oder Begriffe wiederholen und erläutern, die die Kinder noch nicht kennen.

Mein Mann und ich tun dies aber, ehrlich gesagt, nur selten. Wir genießen es eher, dass wir dank dem Fernseher als "gratis Babysitter“ dann und wann ein kleines bisschen Freiraum gewinnen.

Ein Fernsehverbot halte ich für unnötig

Fernsehen komplett zu verbieten, halte ich persönlich für unnötig. Ich habe schon von mehreren Müttern gehört, die in ihrer Kindheit überhaupt nicht fernsehen durften, heute allerdings ihren eigenen Kindern diesbezüglich gar keine Grenze setzen. Sie sind nicht überzeugt davon, dass das Verbot für sie gut war. Irgendwann hatten sie angeblich sogar das Bedürfnis, das Fernsehen „nachzuholen“.

Ich kann mir auch beim besten Willen nicht vorstellen, dass das Fernsehen dermaßen schädlich ist, dass es sich lohnt, hier ein Komplettverbot auszusprechen und den Kindern eine solch unterhaltsame Beschäftigung zu untersagen.

Wenn man einfach keinen Fernseher hat, weil man als Eltern auch nicht fernsieht, ist das aber natürlich auch in Ordnung und auch davon wird ein Kind sicherlich keinen Schaden nehmen.

Widerspruch bei Fernsehgegnern

Oft erzählen Leute stolz, sie hätten keinen Fernseher, während sie täglich Stunden am Computer verbringen und sich Youtube-Videos ansehen, oder selbst Videos von sich drehen und verbreiten.

Manfred Spitzer, der die Medien, insbesondere das Fernsehen, immer wieder verdammt und betont, wie hochgefährlich es für die Hirnentwicklung unserer Kinder sei: Wie oft war er schon in Talksendungen zu sehen? Auf der einen Seite also über das Medium fluchen und es gleichzeitig für den eigenen Profit nutzen?

Magisterarbeit zu diesem Thema

Mein Mann ist Fernsehredakteur. Neben Theater-, Film- und Fernsehwissenschaften studierte er auch Pädagogik. In seiner Magisterarbeit wählte er ein Thema, das beide Bereiche verband: „Frühkindliche Bildung und Medienkonsum – Über den Einfluss des Fernsehens auf die Kindheit“. Ginge es nach ihm, würden unsere Kinder wohl viel häufiger fernsehen.

Und gibt es einmal wieder einen öffentlichen Aufschrei gegen das Fernsehen, beruft er sich gerne auf die Zeiten, in denen das Medium „Buch“ genauso in Verruf war wie heutzutage das Fernsehen und die neuen Medien. Galt es in früheren Zeiten noch als höchst bedenkliche, süchtigmachende, gesundheitsschädliche Angewohnheit, wenn man Bücher las, so wird heute das Lesen von Büchern allen Kindern als sprachfördernde und bildende Tätigkeit nahegelegt. Es gibt hier also sicherlich gewisse Parallelen.

Fazit

Ein Auge auf Quantität und Qualität zu haben bei den Sendungen, die die Kinder sich ansehen, halte ich für wichtig. Außerdem finde ich es sinnvoll, Werbeprogramme für Kinder zu vermeiden.

Aber die Panik, die in Bezug auf das Fernsehen teilweise verbreitet wird, finde ich übertrieben.

Selbst wenn Eltern ihren Kindern zuhause keine Grenzen setzen, so verbringen die meisten Kinder ja dennoch viel Zeit im Kindergarten, in der Krippe, in der Schule oder auf dem Spielplatz. Also machen auch diese Kinder oft etwas Anderes als fernzusehen. Wenn ich meinen Kindern anbiete, mit ihnen etwas zu basteln oder zu spielen, ziehen sie dies dem Fernsehen meist vor. Man muss also nicht zwingend in Form einer geregelten Begrenzung den Fernsehkonsum einschränken, sondern kann dies auch tun, indem man attraktive Alternativen anbietet.

Aber für mich ist die Wochenendregelung dennoch eine angenehme Lösung. Mal sehen, wie lange wir dabei bleiben ...

Wie handhabt ihr das mit dem Fernsehkonsum eurer Kinder? Setzt ihr eine Grenze? Schadet Fernsehen Kindern? Was denkt ihr?

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