Vollzeitmutter Home Office

Vollzeitmutter und Minijob – ich komme an meine Grenzen

Heute zählt man als Vollzeitmutter zu den Ausnahmen. In den ersten ein bis drei Jahren nach der Geburt steigen Mütter oder gar Väter zwar häufig noch vollständig aus dem Beruf aus. Spätestens nach drei Jahren, wenn das Kind in den Kindergarten kommt, werden die allermeisten Eltern wieder zu Doppelverdienern. Zum einen ist es kaum zu schaffen, mit einem einzigen Gehalt langfristig für eine Familie aufzukommen, zum anderen wünschen sich meist beide Elternteile Abwechslung oder berufliche Verwirklichung.

Mein Mann und ich hatten ursprünglich geplant, uns die Kinderbetreuung zu teilen und beide Teilzeit zu arbeiten. Letzt endlich ergab es sich aber ganz anders und es herrscht bei uns eine recht klassische Rollenverteilung. Mein Mann arbeitet Vollzeit und ich bin komplett zuhause. Eine Krippe mussten wir nie in Anspruch nehmen. Den Zuschuss für die U3-Betreuung vom Arbeitgeber meines Mannes erhalten wir trotzdem und können davon an fünf Nachmittagen im Monat eine Babysitterin kommen lassen. Das ist für mich ein großes Geschenk, insbesondere, weil wir hier ja keine helfenden Großeltern, Onkels oder Tanten haben.

Mein beruflicher Weg

Als ich mit meiner ersten Tochter schwanger wurde, arbeitete ich seit vier Jahren in einer Werbeagentur in Köln. Ich betreute vor allem Promotionprojekte mit Personal. Hauptsächlich handelte es sich um Verkostungsaktionen in Einkaufsläden zahlreicher Handelsketten wie Edeka, Rewe und viele mehr in ganz Deutschland.

Meine Arbeit war sehr vielseitig. Ich sprach mit den Handelspartnern ab, in welchen Supermärkten die Aktionen stattfinden sollten, engagierte und schulte die Promoter, erstellte deutschlandweite Einsatzpläne, also legte fest, welcher Promoter wann in welchem Supermarkt arbeiten würden, schrieb Schulungsleitfäden für die Promoter, wertete Verkaufszahlen aus und erarbeitete daraus Dokumentationen für den Kunden. Ebenso half ich bei der Gestaltung von Flyern und verfasste dafür die Texte.

Ich mochte meine Arbeit sehr gern. Mein Chef plante ja dann, eine eigene Agentur zu eröffnen und mich als einzige Mitarbeiterin mitzunehmen, was sich durch die Schwangerschaft nicht ergab. Darüber berichtete ich bereits in meinem Beitrag Zu viel Druck zum Schwangerwerden?

Wir gaben der Karriere meines Mannes Vorrang

Nach der Geburt meiner ersten Tochter nahm ich ein Jahr Elternzeit. In dieser Zeit beschlossen wir, zugunsten der Karriere meines Mannes, nach München zu ziehen. Er war schon 32, ich erst 25. Ich hatte bereits fünf Jahre Vollzeit gearbeitet, er hingegen gerade erst sein Studium abgeschlossen. Ich dachte mir, ich würde später noch genug Zeit für meine Karriere haben, aber er sollte jetzt durchstarten.

Ein Minijob für das Home-Office

Als das Elterngeld nach einem Jahr wegfiel, musste ich in irgendeiner Weise etwas hinzu verdienen, weil alleine das Gehalt meines Mannes uns nicht gereicht hätte. Ich arbeitete von nun an von zuhause aus auf Minijobbasis für die neue Agentur meines Chefs in Köln. Mein Chef war aber zu eingespannt, um sich um ausreichend Arbeit für mich zu kümmern. Deshalb begab ich mich nach anderthalb Jahren auf die Suche nach einer neuen Stelle für zuhause.

Ich verfasste einen knackigen Bewerbungsbrief und nahm mir vor, ihn wöchentlich mit meiner Bewerbungsmappe per E-Mail an fünfzig Unternehmen zu schicken. Irgendwann würde schon jemand antworten. Letzt endlich reichte ein einziger Wurf. Ich erhielt sofort eine Einladung zu einem Vorstellungsgespräch in der kleinen Agentur, für die ich nun seit vier Jahren arbeite.

Als ich mich vorstellte, stand für die beiden Geschäftsführer schon fest, dass sie mich sofort einstellen würden. Auf Minijobbasis bedeutete das für sie keine hohen Kosten und auch kein besonderes Risiko. Seitdem schreibe ich für die Agentur Texte, erstelle Vorlagen für sie in Microsoft Word, pflege Inhalte in Websites ein, helfe bei der Gestaltung von Broschüren und bei der Recherche von Bildern und vieles mehr.

Wie ich das als Vollzeitmutter noch hinkriege

Die ersten Jahre klappte das wunderbar. Ich stand dazu immer morgens um 06:15 Uhr auf, genoss die Ruhe, das Vogelgezwitscher und arbeitete anderthalb Stunden, während mein Mann und die Kinder noch schliefen.

Neben der finanziellen Motivation, freute ich mich auch über die Abwechslung durch meinen Job und sah es positiv, trotz der Kinder mit einem Fuß im Berufsleben zu stehen.

Seit anderthalb Jahren funktioniert das mit dem Weiterschlafen der Kinder morgens allerdings nicht mehr so gut. Meine zwei kleineren Töchter merken es fast immer, wenn ich das Bett verlasse, und kommen dann zu mir. In der Regel schläft die Mittlere dann auf dem Sofa neben mir wieder ein und die Kleine auf meinem Schoß. So kann ich dennoch arbeiten und muss meinen Mann nicht wecken. Richtig entspannt bin ich aber nicht mehr bei der Arbeit.

Es wird mir langsam zu viel

Ob das mit dem morgendlichen Arbeiten noch lange funktioniert, ist fraglich. Das vierte Kind sehe ich nicht unbedingt als Hindernis, aber den Schuleintritt meiner ältesten Tochter sehr wohl. Sie muss dann um kurz vor 08:00 Uhr bereits in der Schule sein. Das heißt, wir müssen ihr Frühstück vorbereiten und zusehen, dass sie sich anzieht. Auch mein Mann muss dann früher aufstehen und sich fertigmachen, da er unsere Tochter (zumindest in den ersten Wochen) zur Schule begleitet und dann direkt zur Arbeit fährt … Ich denke nicht, dass ich dann noch die Ruhe und Konzentration haben werde, um im Home Office zu arbeiten.

Ich habe alternativ schon überlegt, eine Stunde früher, also um 05:15 Uhr aufzustehen, um bereits um 07:00 Uhr mit der Arbeit fertig zu sein. Dafür wurde ich von einer Freundin, die selbst Mutter von drei kleinen Kindern ist, für verrückt erklärt. Und sie hat wohl nicht ganz unrecht. Schon jetzt bin ich abends oft sehr erschöpft und kann mich kaum wachhalten, wenn ich die Kinder ins Bett bringe.

Aber ich brauche auch einen Feierabend! Drei Stunden pro Woche ohne Kinder (wenn die Babysitterin kommt) reichen für meine Nebenbeschäftigungen und Verpflichtungen nicht aus. Richtig Ruhe habe ich selbst dann nicht, wenn die Babysitterin da ist, da unsere Wohnung sehr klein ist und die Kinder trotzdem ständig zu mir kommen. Nur, wenn schönes Wetter ist, und die Kinder mit der Babysitterin rausgehen, kehrt wirklich Stille ein.

Zu viele Hobbys und Verpflichtungen?

Das Schwimmen und Musizieren habe ich bereits komplett auf Eis gelegt. Aber meine Foto- und Tagebücher, die Familienfilme, die ich regelmäßig gestalte und meinen Blog will ich auf gar keinen Fall aufgeben. Außerdem führe ich unsere Finanzplanung tabellarisch, damit wir nicht den Überblick verlieren, auch das kostet Zeit und Konzentration. Post muss regelmäßig abgeheftet und E-Mails sollten beantwortet werden. Für die Geburt müssen Anmeldungen gemacht werden … Alles Dinge, für die ich kinderfreie Zeit bräuchte.

Wir engagieren uns außerdem auch ehrenamtlich für unser eigenes Hilfsprojekt, die Haitihilfe Heinz-Kühn, und für die V-Partei³. Das alles liegt mir sehr am Herzen, aber langsam weiß ich nicht mehr, wie ich alles unter einen Hut kriegen soll.

Seit meinem 30. Geburtstag hängt ein Massagegutschein an unserem Kühlschrank. Wann soll ich diesen einlösen? Das ist mir die wenige Zeit, die ich ohne Kinder habe, nicht wert. Selbst beim Friseur war ich seit anderthalb Jahren nicht mehr, weil ich da schlecht mit meinen Kindern aufkreuzen kann. Jetzt trage ich meine Haare halt wieder lang …

Zeit mit dem Partner oder einzelnen Kindern

Dann wünscht man sich ja auch noch Zeit mit dem Partner. Selbst wenn ich abends noch die Kraft habe, etwas zu arbeiten, möchte ich mich doch gerne auch mal mit meinem Mann hinsetzen und die wenige Zeit, die wir beieinander sind, mit ihm verbringen.

Außerdem heißt es in vielen Ratgebern, man solle sich als Eltern auch mal für jedes einzelne Kind Zeit nehmen. Ich muss sagen, dass das bei uns so gut wie gar nicht vorkommt. Das bedeutet ja, dass mein Mann oder die Babysitterin sich um die anderen Kinder kümmern müssten. Aber wenn mein Mann oder die Babysitterin schon da und bereit sind, sich um die Kinder zu kümmern, dann nehmen sie besser gleich alle drei, damit ich meinen Aufgaben nachgehen kann.

Hinzu kommt, dass wir auch gerne mal alle gemeinsam als Familie etwas unternehmen und uns nicht so gerne in zwei Gruppen aufteilen.

Was kann ich tun, um mich zu entlasten?

Es muss sich etwas ändern, denn ich komme an meine Grenzen und bald kommt noch ein weiteres Baby und die Freizeit wird nicht mehr, sondern weniger.

Ob ich im September einen Kindergartenplatz für meine zweite, vierjährige Tochter bekomme ist noch unklar. Als Vollzeitmutter habe ich verständlicherweise keine Priorität. Wir hatten außerdem vor einem Jahr bereits einen Platz ausgeschlagen, weil meine Tochter sich damals sehr schwer tat und ich den Eindruck hatte, dass sie noch nicht so weit war. Da waren die Erzieherinnen und ich uns nicht ganz einig. Vielleicht bevorzugen sie uns auch deshalb jetzt nicht mehr …

Also ist es gut möglich, dass ich eine ganze Zeit lang den ganzen Tag mindestens drei Kleinkinder zuhause habe. Der Gedanke daran stört mich nicht, ich bin gerne mit meinen Kindern, aber dass ich nebenher meinen Hobbys nachkomme, bleibt weiterhin unmöglich und ich muss darüber nachdenken, meine Aufgaben zu reduzieren.

Nun, zunächst habe ich entschieden, nicht mehr starr jede Woche einen Blogartikel zu veröffentlichen, um mir ein wenig den Druck zu nehmen. Letzte Woche kam ich beispielsweise überhaupt nicht zum Schreiben, deshalb gab es nichts von mir zu lesen. Einen Blogartikel zu verfassen und zu überarbeiten kostet mich wesentlich mehr Zeit, als ich gedacht hätte. Außerdem sollte ich auch zusehen, dass meine Artikel überhaupt gelesen werden. Ich muss im Internet aktiv sein und Marketing betreiben. Das ist alles zeitaufwendig … Ich schaue jetzt einfach, wie ich es hinbekomme.

Weiterhin denke ich, dass ich mir nach der Geburt erstmal eine Auszeit von meinem Minijob nehmen werde. Mein Mann verdient glücklicherweise ab diesem Monat etwas mehr, sodass wir finanziell dennoch zurecht kämen. Kinderfreie Zeit gewinne ich dadurch trotzdem nicht hinzu, da ich mich ja dann statt zu arbeiten um das Anziehen und Frühstück der Kinder kümmern werde.

Kleine Wohnung, weniger Haushaltsarbeit

Wenn ich höre, wie viel Zeit andere Mütter im Garten und Haushalt verbringen, bin ich ganz dankbar dafür, dass wir eine kleine Wohnung haben und die damit verbundene Arbeit immerhin überblickbar ist. Zum Glück bekomme ich die Haushaltsarbeit auch ganz gut neben den Kindern hin und muss dafür nicht meine wenige kinderfreie Zeit „opfern“. Aber die Kinder und ich wollen  ja auch einmal aktiv Zeit für einander haben. Dass wir ein Buch lesen, etwas spielen oder basteln. Wenn die Haushaltsarbeit noch umfangreicher wäre, würde es dafür auch kaum mehr reichen.

Kein Platz für ein Au-Pair-Mädchen

Andersherum könnten wir uns theoretisch von dem U3-Betreuungszuschuss vom Arbeitgeber meines Mannes anstatt einer Babysitterin auch ein Aupair-Mädchen leisten. Ein Aupair-Mädchen würde uns sechs Stunden täglich zur Verfügung stehen, während unsere Babysitterin nur drei Stunden pro Woche kommt … Wir könnten einer Aupair allerdings kein Zimmer anbieten. Also ist es in dieser Hinsicht doch ein Nachteil, dass wir wenig Wohnraum haben.

Das Home-Office ist ideal als Mutter vieler Kinder

Jetzt wird mein Mann wohl bald zum richtigen Alleinverdiener. Vielleicht kann ich meinen Minijob wieder aufnehmen, wenn meine zweite und dritte Tochter einen Kindergartenplatz bekommen und ich vormittags nur das Baby habe. Oder ich schaffe es, mit meinem Blog mehr Leser zu erreichen und über Werbung ein Taschengeld dazu zu verdienen. Aber davon bin ich noch weit entfernt. Wenn ihr meinen Blog also abonniert oder weiter empfehlt, ist mir das auch werbefrei bereits eine riesen Hilfe! Zudem bin ich für Feedback und Verbesserungsvorschläge sehr offen!

Auf jeden Fall habe ich den Wunsch, auch längerfristig im Home-Office zu arbeiten. Zumindest solange, bis die Kinder einigermaßen selbständig sind. So spare ich mir den Arbeitsweg und bin flexibler … Die Kinder können zum Mittagessen nach Hause kommen, was mir unter anderem aufgrund unserer ausgewogenen und veganen Ernährungsweise sehr wichtig ist.

Auch als “Macherin” kriegt man nicht alles geschafft

Abschließend möchte ich erwähnen, dass ich trotz der großen Herausforderung, die das Familienleben und meine Nebenbeschäftigungen darstellen, sehr glücklich bin. Ich bin eine “Macherin”, das war ich schon immer. Deshalb lade ich mir vermutlich auch immer mehr auf. Ich mag es, immer etwas zu tun zu haben. “Ach, das schaffe ich auch noch und das auch noch …” Aber die Aufgaben, die ich mir auflade, sind neben den Kindern eben schwer zu schaffen, deshalb würde mir ein bisschen mehr Zeit ohne Kinder vermutlich schon gut tun. Wenngleich ich gleichzeitig froh bin, dass ich selbst für die Kinder da sein kann und sie nicht in eine Fremdbetreuung geben muss.

Wie ich bereits in meinem Beitrag Wie schaffst du das bloß alles schrieb, muss man als Eltern Abstriche machen. Das sollte ich wohl selbst noch verinnerlichen …

Wie schaffst du das bloß alles?

2 comments:

Liebe Shani
Es ist beachtlich, was du alles auf einen Leist bringst. Darum bin Ich froh, dass du jetzt merkst, dass auch du begrenzte Kräfte hast. Mit vier Kindern kannst du es dir nicht leisten wegen eines Burnouts oder sonstiger Überlastungskrankheiten auszusteigen. Gerade MacherInnen und PerfektionistInnen sind anfällig für solche Leiden. Dass du zu dir schaust und deine verträgliche Work-Life-Balance findest, ist also ein absolutes Muss und hat viel mit Selbstkompetenz und gesundem Menschenverstand zu tun, aber auch mit Verantwortungsbewusstsein. Deine Familie braucht dich gesund und kräftig. Ich wünsche dir viel Erfolg bei der Suche nach guten Ideen für eine ausgewogene Arbeitsbelastung und wie jeder normale Mensch auch etwas Zeit für dich selbst.

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