Hausgeburt im Wasser

Die Hausgeburt unseres zweiten Kindes

Wie ich bereits in meinem Beitrag „Warum wir uns für eine Hausgeburt entschieden“ schilderte, sollte unser zweites Baby bei uns zuhause zur Welt kommen. Wir lebten noch nicht sehr lange in München und kannten hier lediglich eine Person, die mit unserer zweijährigen Tochter so vertraut war, dass sie während der Geburt hätte aushelfen können. Sie hatte während der Schwangerschaft ein paar Monate in unserer Wohnung gelebt. Die Idee war, dass sie sich während der Geburt bei uns zuhause um unsere Tochter kümmern würde.

Die Geburt ließ auf sich warten

Da unser erstes Kind zehn Tage vor dem errechneten Termin zur Welt gekommen war, rechneten wir alle damit, dass auch das nächste Kind früher kommen würde.

Es kam aber anders. Der errechnete Geburtstermin traf ein und ich hatte noch immer keinerlei Anzeichen für eine baldige Geburt. Es war furchtbar. Schon seit Tagen war ich ungeduldig. Und jetzt kam noch die Angst hinzu, dass ich zu lange übertragen und eine Hausgeburt gar nicht mehr möglich sein würde. Denn eine Hausgeburtshebamme geht keine Risiken ein. Ab zehn bis vierzehn Tagen Terminüberschreitung erhält man auch von Hebammen die Empfehlung, in der Klinik zu gebären.

Der Plan ging nicht auf

Nun verkündete uns unsere ehemalige Mitbewohnerin, die sich während der Geburt um unsere Tochter kümmern sollte, sie würde über die kurz bevorstehenden Ostertage zu ihrem Freund fahren, der drei Stunden entfernt lebte.

Tatsächlich fuhr sie dann fünf Tage nach Überschreitung des errechneten Geburtstermins über Ostern weg und unser Baby war immer noch nicht geboren. Jetzt waren wir also alleine. Während der Geburt würde ich nur die Hebamme bei mir haben, weil mein Mann sich um unsere Tochter würde kümmern müssen. Dieser Gedanke machte mich etwas traurig.

Meine Eltern hatten jetzt frei wegen der Osterfeiertage und fragten, ob sie kommen dürften. Sie schlugen vor, auf unsere Tochter aufzupassen, während wir in die Klinik fahren. Doch zu ihrer Enttäuschung blockte ich das Angebot ab. Sie wussten ja nicht, dass wir eine Hausgeburt planten und ich befürchtete, dass mein Vater damit überfordert wäre.

Konnte ich nicht loslassen?

Am Ostersonntag, sechs Tage nach Überschreitung des Termins, hatte ich in den frühen Morgenstunden bereits etwas schmerzhafte Wehen. Als ich das Bett verließ, verschwanden diese jedoch gänzlich. Ich fragte mich, ob ich vielleicht nicht loslassen konnte, weil wir keine Betreuung für unsere Tochter hatten.

Ich erzählte nun meinen Eltern, dass unsere als Babysitterin eingeplante Bekannte zurzeit nicht zur Verfügung stand, woraufhin meine Mutter vorschlug, uns alleine zu besuchen, um während der Geburt auf unsere große Tochter aufzupassen. Mir fiel ein Stein vom Herzen.

Meine Mutter eilte zur Hilfe und wurde in unser Geheimnis eingeweiht

Nach fünf Stunden war sie bei uns und überzeugt, dass am nächsten Tag die Geburt sein würde. Sie konnte nur über diese eine Nacht bleiben, weil sie am Dienstag nach Ostern wieder arbeiten musste. Dann wäre aber auch unsere Bekannte wieder in München gewesen.

Erst jetzt weihten wir meine Mutter in unser Geheimnis ein: Dass das Baby zuhause zur Welt kommen sollte. Wie ich es mir erhofft hatte, reagierte sie positiv und erfreut. Wir gaben ihr noch eine kleine Lektüre von Frauke Lippens zum Thema Hausgeburt, damit sie vorbereitet war und sich keine Sorgen machte.

Am Abend ging ich früh ins Bett für den Fall, dass die Geburt in der Nacht losgehen sollte.

Die Fruchtblase platzte und es ging endlich los

Tatsächlich platzte um 05:00 Uhr morgens meine Fruchtblase. Ich bemerkte es und lief sofort ins Bad. Dann weckte ich meine Mutter. Während mein Mann Kaffee kochte, beobachtete sie mit mir, in welchen Zeitabständen die Wehen kamen. Die Wehenabstände und -heftigkeit steigerten sich rasant.

Um 06:00 Uhr nahm mein Mann unsere Hebamme in Empfang. Gleichzeitig wachte unsere Tochter auf, die mit meiner Mutter im Nebenraum verschwand und sich von dem Geburtsgeschehen überhaupt nicht aus der Ruhe bringen ließ.

Diesmal sollte es eine Wassergeburt werden

Ich setzte mich in die Badewanne, mein Mann zündete ein paar Kerzen an und stellte eine kleine Lampe auf. Ich wollte unser Baby nicht in grellem Licht zur Welt bringen. Außerdem sollte es diesmal eine Wassergeburt werden.

Meine Hebamme hörte als erstes nach den Herztönen des Babys. Sie waren perfekt. Dann ertastete sie den Muttermund, der zu meiner Freude schon sieben Zentimeter geöffnet war. Ich saß in der Wanne und versuchte, mit den Wehen klarzukommen, indem ich währenddessen ganz heißes Wasser einlaufen ließ. Das beruhigte ein wenig. Als die Wehen noch stärker und länger wurden, schrie ich jeweils ganz laut, um mich vom Schmerz abzulenken. Nach jeder Wehe war ich völlig erschöpft, als wäre ich gerade einen Marathon gelaufen.

Gesang statt Geschrei

Dann kam ich auf die Idee, während der Wehen zu singen anstatt zu schreien. Ich sang ganz laut verschiedene Töne so schön und kräftig ich konnte. So achtete ich auf meine Stimme anstatt auf den Schmerz. Das half mir sehr.

Zwei Hebammen für den Endspurt

Zwischenzeitlich traf die zweite Hebamme ein. Sie sollte während der Endphase der Geburt zusätzlich dabei sein. Sie legte mir einen kalten Lappen auf die Stirn und ich deckte mir gleich noch die Augen damit ab. Das tat gut. Mein Mann und sie wechselten den Lappen regelmäßig gegen einen frischen kalten Lappen aus.

Meine Hebamme hörte regelmäßig nach den Herztönen. Nach einer Weile checkte sie nochmals die Muttermundöffnung. Es fehlte nur noch ein Zentimeter. Kurz darauf bekam ich schon einen Pressdrang. Meine Hebamme meinte zwar, ich sollte noch nicht mitpressen. Aber ich konnte nicht anders. Sie schob deshalb den Muttermund hinter das Köpfchen, um einen Riss zu verhindern.

Die Wehen waren zum Glück jetzt weniger schmerzhaft, sodass ich viel Kraft zum Pressen hatte. Erst presste ich nur während der Wehen, wie ich es bei der ersten Geburt im Krankenhaus getan hatte. Aber als ich das Köpfchen spürte und mich an den heftigen und lang anhaltenden Schmerz bei der letzten Geburt erinnerte, presste ich einfach weiter, bis mein Baby, um 08:30 Uhr, geboren war. Das Baby gab keinen Schrei von sich, sondern war ganz ruhig und zufrieden.

Noch ein Mädchen!

Noch ehe ich nachschauen konnte, welches Geschlecht es hatte, sagte mir die Hebamme, dass es ein Mädchen sei. Wie schön! Ich freute mich riesig. Die Hebamme wickelte meine neugeborene Tochter in ein Handtuch und legte sie auf meinen Bauch. Sie weinte überhaupt nicht, war ganz ruhig und schaute sich mit großen Augen um.

Nun kamen meine Mutter und meine große Tochter ins Badezimmer und hießen das neue Familienmitglied willkommen.

Mein Mann und meine Mutter kümmerten sich kurz um das Baby, während sich die Plazenta löste und ich duschte. Danach legte ich mich ins Bett. Die Hebamme zog das Baby an und gab es mir dann an die Brust.

Alle beisammen im wohligen Zuhause

Nur eine halbe Stunde nach der Geburt lag ich zuhause in meinem eigenen Bett. Wir waren alle beisammen: Mein Neugeborenes, meine große Tochter, mein Mann, meine Mutter, meine vertrauten Hebammen und ich. Es war wundervoll.

Die Hebammen verließen uns nach ein, zwei Stunden. Meine Mutter blieb noch bis zum frühen Nachmittag.

Mein Mann war begeistert, wie unkompliziert und ruhig alles verlaufen war. Es war einfach ein natürliches Ereignis und wir hatten nicht eine Sekunde lang nur einen Hauch von Angst verspürt.

Die Geburt meines dritten Kindes verlief ganz anders:

Die Hausgeburt unseres dritten Kindes

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