Entscheidung für Hausgeburt

Warum wir uns für eine Hausgeburt entschieden

Nach meiner ersten Geburt las ich öfters von Müttern, die ihre Kinder zuhause bekamen. Ich dachte dabei an die Aussage meiner Hebamme, dass meine erste Geburt eine Hausgeburt hätte sein können. Die Vorstellung, die nächste Geburt in meiner vertrauten Umgebung zu erleben und nicht unter Wehen in die Klinik gehen zu müssen, reizte mich.

Als ich mit dem zweiten Baby schwanger war, lebten wir bereits in München und ich musste mir eine neue Hebamme für die Vor- und Nachsorge suchen. Obwohl mein Mann sich schon ganz klar gegen eine Hausgeburt ausgesprochen hatte, wählte ich eine Hebamme, die Hausgeburten durchführte. Sie wohnte zufällig in unserer Nähe und eine Freundin hatte sie mir empfohlen. Bei unserem ersten Treffen erzählte ich ihr, dass ich mir eigentlich eine Hausgeburt sehr gut vorstellen könnte, aber mein Mann leider dagegen sei.

Eine Geburt ist ein natürliches Ereignis

Meine Hebamme erzählte mir von ihren Erfahrungen mit Hausgeburten. Eine Geburt sei für sie etwas ganz Natürliches und bei einer komplikationslosen Schwangerschaft und korrekten Lage des Kindes sähe sie keinen triftigen Grund, warum man in der Klinik besser aufgehoben sei als zuhause. Natürlich würde sie die Herztöne des Babys regelmäßig überprüfen und wenn irgendetwas nicht optimal sei, zum Beispiel die Geburt nicht mehr voranschreite, die Mutter keine Kraft mehr hätte oder die Herztöne des Ungeborenen sich verlangsamten, zögere sie nicht, den Krankenwagen zu rufen.

In ihren 8 Jahren als Hausgeburtshebamme hat meine Hebamme nicht eine Geburt betreut, die als Totgeburt oder in schwerwiegenden Komplikationen endete und hat auch keine Hebamme in ihrem Bekanntenkreis, die solch eine Erfahrung gemacht hat.

Eine Totgeburt ist auch bei Hausgeburten eine absolute Seltenheit. Im Fall einer Komplikation fährt man ja, wie gesagt, in die Klinik. Meine Hebamme begleitet dann in der Regel die Schwangere im Krankenwagen.

Risiken gibt es sowohl zuhause, als auch in der Klinik

Zuhause trägt man zwar das Risiko, dass die Hebamme eine Gefahr zu spät erkennt und man nicht rechtzeitig in der Klinik ankommt. Aber auch in der Klinik steht der Operationssaal nicht unbedingt sofort bereit und es kann genauso lange dauern, bis ein eventuell nötiger Kaiserschnitt vorgenommen werden kann. Auch dass mehrere Geburten gleichzeitig stattfinden und bei einem Notfall der Arzt gerade nicht verfügbar ist, kann in der Klinik vorkommen. Oder dass gar nicht schnell genug bemerkt wird, dass Hilfe nötig wäre, weil weder eine Hebamme noch ein Arzt bei der Schwangeren ist.

Bei einer Hausgeburt hingegen steht die Hebamme ununterbrochen zur Verfügung und kann eine mögliche Gefahr sofort erkennen und den Krankenwagen rufen. So ist je nachdem sogar schneller ein Kaiserschnitt eingeleitet als bei einer Klinikgeburt.

Außerdem ist es in der Klinik nicht selten der Fall, dass Mütter sich nicht wohl fühlen und die Geburt nicht voranschreitet, weil sie ihr Baby unbewusst nicht loslassen können. Dass deshalb die Saugglocke oder die Geburtszange eingesetzt wird oder vorschnell ein Kaiserschnitt durchgeführt wird. Zudem hört man häufig, dass das Baby in der Klinik gegen den Wunsch der Eltern einen Schnuller bekommt, der das Stillen negativ beeinträchtigen kann. Auch die Gefahr, dass das Neugeborene sich mit Krankenhauskeimen infiziert, ist ein Nachteil gegenüber einer Hausgeburt.

Es ist also egal, wo man die Geburt plant. Risiken gibt es überall. Es gilt als Schwangere, für sich selbst abzuwägen, welche Risiken man bereit ist, in Kauf zu nehmen und welcher Ort einem mehr Wohlbefinden und Sicherheit vermittelt.

Eine normale Geburt wirft für eine Klinik kaum Gewinn ab

Meine Hebamme hatte selbst einige Jahre in der Klinik gearbeitet und dabei viele erschreckende Beobachtungen gemacht. Ärzte hätten Geburten noch in ihrer Schicht abschließen wollen. Also verwendeten sie die Saugglocke, um die Geburt schneller zu beenden. Sie erzählte mir auch, dass eine natürliche Geburt ohne jegliche Eingriffe so gut wie keinen Gewinn für die Klinik abwerfe.

Am meisten Gewinn machen Kliniken mit einem Kaiserschnitt. Aber auch die Saugglocke, die Geburtszange oder das Nähen bei einem Dammriss können gesondert in Rechnung gestellt werden.

Früher kam es in Deutschland bei maximal zehn Prozent aller Geburten zu einem Kaiserschnitt. Heute sind es über dreißig, in manchen Regionen oder Krankenhäusern sogar weit mehr. Dabei ist auch heute nur in zehn Prozent der Fälle ein Kaiserschnitt medizinisch notwendig.

„Mein Kind wäre bei einer Hausgeburt gestorben“

Viele Komplikationen, die bei einer eigentlich komplikationslosen Schwangerschaft in der Klinik vorkommen, würden zuhause gar nicht auftreten. Wenn also jemand zu mir sagt, sein in der Klinik geborenes Kind wäre bei einer Hausgeburt gestorben, dann kann ich in der Regel antworten, dass dieses Kind niemals zuhause geboren wäre, weil die Hebamme rechtzeitig mit der Schwangeren in die Klinik gefahren wäre, oder aber, dass die Komplikationen, die diese Gebärende hatte, zuhause erst gar nicht aufgetreten wären. Denn oft sind sie Folgen von vorangegangenen medizinischen Eingriffen, wie der Gabe wehenfördernder Mittel.

Wie gesagt, meine Hebamme hat noch nie eine Totgeburt bei einer Hausgeburt erlebt. Aber den Satz „Mein Kind wäre bei einer Hausgeburt gestorben“ habe ich schon unglaublich oft gehört.

Eine nahtlose Betreuung von ein und derselben Hebamme

Ein weiterer Vorteil bei einer Hausgeburt liegt darin, dass man als Schwangere eine Hebamme für sich alleine hat, die ununterbrochen zur Verfügung steht, die man bereits kennt, bei der man sich wohl fühlt und die sich nur auf eine Geburt gleichzeitig konzentrieren muss. Meistens sind es sogar zwei Hebammen, die in der Austreibungsphase anwesend sind. 

Ein Beratungsgespräch mit unserer Hebamme

Ich freundete mich mit dem Gedanken an, das Baby zuhause zu bekommen. Mein Mann war bereit, unsere Hebamme zu einem Beratungsgespräch einzuladen. Nach diesem Gespräch war auch er überzeugt und wir beschlossen, das Baby zuhause zu bekommen, es aber niemandem zu sagen. Ich wusste von einer Bekannten, die zuhause gebären wollte, dass niemand Hemmungen hatte, ihr Angst einzuflößen und Horrorgeschichten über Hausgeburten zu erzählen. Solch eine Taktlosigkeit erfährt man nur, wenn man zuhause gebären will. Wer zum Gebären in die Klinik geht, wird mit mehr Feingefühl behandelt.

Ich wollte mich diesen Horrorgeschichten und Diskussionen damals nicht stellen. Selbst unseren engsten Verwandten und Freunden verschwiegen wir unser Vorhaben. In der Klinik meldeten wir uns trotzdem an für den Fall, dass wir spontan doch noch hinfahren müssten.

Was mich und auch meinen Mann beim Gedanken an die Hausgeburt am meisten erleichterte, war die Tatsache, unsere zweijährige Tochter nicht während der Geburt des Geschwisters zurücklassen oder in die Klinik mitnehmen zu müssen. Wir wussten ja nicht, ob die Geburt möglicherweise mitten in der Nacht sein würde. Und wir hatten niemanden in München, der uns so richtig nahe stand.

Auch eine Klinikgeburt kann glücklich verlaufen

Natürlich kann man auch in der Klinik eine gute Geburt haben. Oftmals hat man sowieso nicht die Wahl und muss aufgrund der Lage des Kindes oder wegen Komplikationen in der Schwangerschaft in die Klinik. Sicher fühlen sich einige auch trotz einer komplikationslosen Schwangerschaft in der Klinik besser aufgehoben oder möchten die Möglichkeit einer PDA haben. Insbesondere bei einer ersten Geburt weiß man noch ganz und gar nicht, was auf einen zukommt. Ich hatte zwar stark gehofft, dass bei mir alles auf natürliche Weise klappen würde, aber ich war nicht grundsätzlich gegen eine PDA. Hätte die Geburt länger gedauert, wäre sie für mich sicher auch die Erlösung gewesen.

Um zu vermeiden, dass dem Baby einfach ein Schnuller gegeben wird, kann man sich für eine als „stillfreundliches Krankenhaus“ zertifizierte Klinik entscheiden. Weiterhin kann man sich genau überlegen, was man während und nach der Geburt gerne hätte und dies mit seinem Mann oder der Person, die einen begleitet, im Voraus besprechen. Diese Person kann sich dann in der Klinik dafür einsetzen, wenn man selbst vielleicht aus Erschöpfung nicht in der Lage ist.

Wichtig ist, dass man weiß, dass man auch in der Klinik das Recht auf Selbstbestimmung hat. Das ist etwas, was mir bei meiner ersten Geburt in der Klinik nicht bewusst war. Als die Hebamme mich aufforderte, die Geburtswanne für die letzten Presswehen zu verlassen, hätte ich auch nein sagen können.

Es ist möglich, eine Hebamme, die einem vertraut ist, in die Klinik mitzunehmen. Hier in Bayern weiß ich, dass diese dann jedoch nicht weisungsbefugt ist. Sie kann lediglich mit Rat und Tat zur Seite stehen. Im Gegensatz zu den Klinikhebammen bleibt sie allerdings ununterbrochen bei der Schwangeren und kommt nicht nur sporadisch dazu.

Lese hier, wie unsere erste Hausgeburt verlief.

Die Hausgeburt unseres zweiten Kindes

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