warum ambulante Geburt

Die ambulante Geburt meines ersten Kindes

Als ich mit meinem ersten Kind schwanger war, war für mich selbstverständlich, dass ich für die Geburt in die Klinik gehen würde. Ich wusste gar nicht, dass es auch Alternativen gab. Weder mein Frauenarzt noch die Hebamme klärten mich über die Wahl des Entbindungsortes auf und da ich aus meinem Umfeld lediglich die Klinikvariante kannte, stellte ich diese nicht in Frage. Ich kam gar nicht auf die Idee, mich diesbezüglich zu erkundigen.

Von einer Arbeitskollegin erfuhr ich immerhin gegen Ende meiner Schwangerschaft, dass man nach der Geburt nicht im Krankenhaus übernachten musste, sondern auch direkt nach Hause gehen konnte. Ich fand die Idee verlockend. Der Gedanke, mit meinem Baby in der Klinik getrennt von meinem Mann zu übernachten, gefiel mir nämlich gar nicht. 

Meine Hebamme unterstützte meine Idee, ambulant zu gebären. Sie sagte, je schneller eine Mutter nach der Geburt zuhause wäre, desto besser. Zuhause könnten sich Mütter besser entspannen und auf ihr Baby einlassen. Der Milcheinschuss falle sonst häufig auf den Tag, an dem die Mütter das Krankenhaus verließen, das sei überhaupt nicht ideal. Außerdem würde man in der Klinik von ganz unterschiedlichen Hebammen beraten, was für Mütter oft verwirrend sei.

Jede Geburt ist ein Abenteuer

Eine Geburt ist immer ein einzigartiges und ganz besonderes Erlebnis. Man fragt sich, was auf einen zukommt, selbst wenn man bereits mehrere Kinder geboren hat. Jede Geburt verläuft anders. Besonders aber bei der ersten Geburt ist die Aufregung groß, man weiß nicht, wie sich der Wehenschmerz anfühlt und wie man selbst damit am besten umgehen kann, ob man die Anzeichen für die Geburt richtig deutet und man schnell genug in der Klinik ankommt. Ob man eine schnelle oder langatmige Geburt erleben wird und schon gar nicht, wann es losgehen wird.

Im Folgenden berichte ich euch, wie die Geburt meines ersten Kindes verlief.

Die ersten Geburtsanzeichen

Zehn Tage vor dem errechneten Geburtstermin stellte meine Hebamme fest, dass mein Muttermund bereits zwei Zentimeter geöffnet war. Sie vermutete, dass das Baby in ein paar Tagen kommen würde.

Nachmittags hatte ich regelmäßige leichte Kontraktionen. Am Abend telefonierten wir mit einem uns vertrauten Arzt. Er meinte, vielleicht seien das schon die richtigen Wehen, wenn die Kontraktionen so regelmäßig kämen. Eventuell müsste ich schon ins Krankenhaus, es gäbe auch Frauen, die nicht so starke Schmerzen hätten. Tatsächlich hatte ich die Hoffnung, dass ich zu diesen glücklichen Frauen zählen würde. Schließlich hatte sich mein Muttermund ja fast schmerzlos schon zwei Zentimeter geöffnet.

Müssen wir schon ins Krankenhaus?

Am Abend legten wir uns trotzdem normal ins Bett. Um Mitternacht wurde ich jedoch wach, weil ich schon etwas stärkere Schmerzen hatte. Die Schmerzen waren aber immer noch gut erträglich. Es hieß in der Geburtsvorbereitung, sobald man alle fünf Minuten Wehen hätte, solle man ins Krankenhaus fahren. Die Wehen kamen mindestens alle fünf Minuten! Nur nicht so schmerzhaft, wie ich es mir vorgestellt hatte. Ich blieb deshalb noch zwei Stunden schlaflos im Bett liegen.

Gegen 02:00 Uhr wurde ich nervös und rief im Krankenhaus an um zu fragen, ob es sich bereits um die richtigen Wehen handeln könnte. Die Hebamme am Telefon meinte, das könne man per Telefon schlecht beurteilen. Normalerweise merke man, wenn man Wehen hätte, da könne man nicht mehr normal sprechen, man müsse eine Wehe veratmen. Ich entschied, noch weiter zuhause zu bleiben.

Um 04:00 Uhr wurde es schon schmerzhafter. Wir entschlossen, ins Krankenhaus zu gehen. Wir gingen zu Fuß, es war stockfinster und sehr kalt, der Boden war leicht eingeschneit. Mir kamen die Tränen vor Rührung, dass wir unterwegs ins Krankenhaus waren, um mit unserem Baby wieder nach Hause zu kommen. Ab und zu hielten wir an, weil ich eine schmerzhafte Wehe hatte.

Von unsympathischen Hebammen wieder nach Hause geschickt

Vor Ort wurden wir nicht besonders herzlich von einer jungen und einer etwas älteren Hebamme, empfangen. Sie zeichneten die Herztöne meines Babys eine Dreiviertelstunde mit einem CTG-Gerät auf und ließen uns währenddessen alleine. Während des CTGs hatte ich dauernd Wehen. Mein Mann konnte mich ein wenig unterstützen, indem er mich massierte. Als die Hebamme zurückkam, tastete sie nochmals meinen Muttermund ab. Zu meiner großen Enttäuschung war die Öffnung immer noch zwei Zentimeter groß. Es hatte sich also noch nichts getan, obwohl die Wehen nun schon recht schmerzhaft waren. Die Hebamme fragte mich: „Was machen wir denn jetzt mit ihnen?“ Da sich ja keine Veränderung im Muttermund zeigte, beschlossen wir, nochmals nach Hause zu gehen.

Nach diesem kurzen Krankenhausaufenthalt freute ich mich gar nicht, wieder dorthin zurückgehen zu müssen. Die unsympathischen Hebammen hatten mich ziemlich abgeschreckt.

Zuhause nahm ich ein heißes Bad, während mein Mann sich nochmals hinlegte. Währenddessen wurden meine Wehen immer heftiger. Um 06:00 Uhr zogen wir uns erneut an, um aufzubrechen.

Erneuter Aufbruch in die Klinik unter schmerzhaften Wehen

Im Krankenhaus trafen wir um 06:30 Uhr ein. Die Wehen waren nun schon sehr schmerzhaft. Erneut wurde ein CTG gemacht. Erneut versuchte mein Mann mich mit Massieren zu unterstützen. Bei der einen Wehe half es, bei der anderen war es unangenehm, er konnte es mir kaum recht machen. Es war furchtbar, so seitlich auf dem Bett zu liegen, ich konnte in dieser Position mit dem CTG-Gerät umgeschnallt überhaupt nicht mit den Wehen umgehen. Nach etwa vierzig Minuten wurde es endlich entfernt und die Ärztin begrüßte mich. Ich musste den Raum wechseln und sie machte nun eine Ultraschalluntersuchung um das Gewicht des Babys einzuschätzen und eine ausreichende Menge an Fruchtwasser sicherzustellen. Sie tastete ebenfalls den Muttermund ab. Dieser war nun etwa zweieinhalb Zentimeter geöffnet. Das war für mich wieder eine frustrierende Nachricht. Nur ein halber Zentimeter, obwohl ich schon so starke Wehen hatte … Es sollte wohl doch nicht so sein, dass ich eine schnelle und wenig schmerzvolle Geburt habe.

Endlich in die Wanne!

Jetzt konnte ich mich endlich in die Geburtswanne legen, in der ich auch vorhatte, mein Baby zu gebären. Ich hatte darüber viel gelesen und war überzeugt, dass das für das Baby ein sanfter Übergang in die Welt sein würde.

Die Wanne befand sich in einem sehr schönen Geburtssaal. Eine nette junge Hebamme betreute mich nun. Sie gab mir etwas Wasser mit Traubenzucker zu trinken. Essen konnte ich nichts. Mein Mann saß neben mir und füllte immer mal wieder heißes Wasser in die Badewanne nach, wenn das Wasser abgekühlt war. Wenn eine Wehe vorbei war, setzte ich mich etwas hoch, dass der Bauch über dem Wasser war. Sobald eine Wehe kam, rutschte ich tiefer in die Wanne. So konnte ich ganz gut mit dem Schmerz umgehen. 

Wie lange kann es noch dauern?

Ich fragte die Hebamme, was sie glaube, wie lange es noch gehe. Sie meinte, das könne man nicht sagen. Es könnte am Nachmittag so weit sein. Es könnte aber auch bis zum Abend dauern.

Um 10:00 Uhr fragte ich die Hebamme, ob sie mal wieder meinen Muttermund abtasten wolle. Ich wollte wissen, ob sich was tut, um Hoffnung zu schöpfen. Aber sie meinte, es sei noch zu früh. Sie würde mir ansehen, dass es noch nicht so weit sei! Mir ansehen? Ich war wahnsinnig am Leiden und das sah noch nicht schlimm genug aus?

Mehrmals sagte ich zu meinem Mann, ich wüsste nicht, ob ich es ohne Schmerzmittel schaffen würde. Ich war unendlich müde und nickte nach jeder Wehe kurz ein. Schließlich hatte ich in der Nacht davor nur zwei Stunden geschlafen.

Die Hebamme meinte etwa um 11:00 Uhr, wenn ich es nicht mehr aushalte, könne man auch mit Schmerzmitteln helfen oder mit der PDA. Ich ging aber nicht darauf ein, sondern wollte noch weiter durchhalten.

Licht am Ende des Tunnels

Erst um 12:00 Uhr ertastete die Hebamme wieder meinen Muttermund. Ich war ganz nervös vor Angst, dass sich immer noch nichts getan haben könnte. Doch die Öffnung war schon acht Zentimeter groß! Es fehlten nur noch zwei! Die Hebamme verließ gerade den Raum, als kurzerhand die Fruchtblase platzte.

Mein Mann holte die Hebamme zurück. Diese rief die Ärztin, welche daraufhin mit einem CTG-Funkgerät daherkam. 

Das CTG-Gerät wurde an meinem Bauch befestigt und nun kamen auch schon die ersten Presswehen. Ich war überglücklich, weil ich dachte, ich würde nun drei bis vier Mal pressen und dann sei das Kind da.

Ich presste bei jeder Wehe nur zwei bis drei Mal, dann sagte die Hebamme, ich müsse wieder aufhören und auf die nächste Wehe warten. Ich presste mit aller Kraft und konnte gar nicht verstehen, warum es so wenig bewirkte. Warum das Kind nicht endlich raus kam. Irgendwann (etwa nach fünfzig Minuten) meinte die Hebamme, man könne schon die Haare sehen. Ob ich mal fühlen wolle. Ich konnte tatsächlich schon das Köpfchen fühlen! Aber in diesem Moment löste das bei mir keine Gefühle aus, ich wollte einfach nur, dass das Kind endlich zur Welt kam.

Die Wanne verlassen

Auf einmal meinte die Ärztin, ich müsste aus der Wanne aussteigen. Aber ich fühlte mich in der Wanne wohl und hatte doch den Wunsch, mein Baby im Wasser zu gebären. Das Baby war doch sowieso schon fast da! Warum sollte ich jetzt noch aussteigen? Das Problem war ein technisches. Das CTG-Gerät funkte nicht mehr. Die Ärztin empfand es als sicherer, mich das Kind außerhalb der Wanne gebären zu lassen und dabei die Herztöne beobachten zu können.

Ich war wahnsinnig enttäuscht! Ich meinte zur Hebamme, dass das Kind doch schon fast da wäre und wieder hochrutschen würde, wenn ich aufstünde. Aber sie antwortete, dass das sicher nicht geschähe! Also stieg ich aus, die Hebamme wickelte mir ein Handtuch um und ich ging praktisch mit dem Kind zwischen den Beinen über den Flur in den Kreißsaal gegenüber. Dort setzte ich mich auf die Liege und presste weiter. Mein Mann stand hinter mir und hielt meine Hand fest. Es fehlten noch etwa drei bis vier Presswehen.

Geschafft!

Mein Mann hörte noch, wie die Hebamme sagte: „Das Baby kämpft aber richtig! Das ist bestimmt ein Mädchen!“ Und als es da war, um 13:47 Uhr, sagte sie: „Hab ich es nicht gesagt?“ Ich selbst hatte davon nichts mitgekriegt. Sie zeigten mir kurz mein Baby und ich hörte erst dann wie mein Mann sagte: „Es ist ein Mädchen!“ Und dann sah ich es auch selbst. Was für eine Überraschung! Wir hatten alle eher mit einem Jungen gerechnet.

Man wickelte sie in Tücher und legte sie auf meinen Bauch unter mein Handtuch. Sie wimmerte und ich sang ihr die Lieder vor, die ich ihr bereits in der Schwangerschaft immer vorgesungen hatte. Ich dachte, dass sie meine Stimme dann wiedererkennen würde. Aber leider beruhigte sie sich trotzdem nicht sofort.

Während ich mit dem Baby da lag, nähte die Hebamme meinen Dammriss zu. Sie behauptete, es sei nur ein kleiner Riss. Aber das Nähen dauerte sehr lange und war sehr unangenehm, obgleich sie den Bereich zuvor betäubt hatte.

Nachdem ich genäht wurde, half mir eine andere freundliche Hebamme, mein Baby zum ersten Mal an die Brust zu nehmen.

Mein Mann rief unsere Wochenbetthebamme an, teilte ihr mit, dass unsere Tochter geboren war und fragte sie, ob sie noch am selben Tag zu uns nach Hause kommen könne. Wir wollten davon abhängig machen, ob wir sofort nach Hause gingen oder eine Nacht im Krankenhaus blieben. Zum Glück hatte sie am Abend Zeit.

Nach einer Weile brachte mir die Hebamme etwas zu essen. Aber ich hatte kaum Appetit. Ich aß nur zwei Gabeln und gab meinem Mann den Rest.

Ich stand auf und ging noch unter die Dusche. Währenddessen zog die Hebamme unserem Baby einen Strampler an. 

Wir spazierten glücklich nach Hause

Als ich zurück kam, wickelten wir sie in eine weiße Wolldecke und packten sie unter die Jacke meines Mannes. So spazierten wir um kurz vor 17:00 Uhr ganz langsam durch die verschneiten Kölner Straßen nach Hause. Unser Baby schlief ganz ruhig. Zuhause konnten wir sie schlafend in unser Bett legen und warteten auf die Hebamme. 

Als die Hebamme eintraf, sagte ich ihr, sie habe mir doch eine schnelle und leichte Geburt prophezeit. Sie fand, dass sie meiner Beschreibung nach damit auch absolut recht hatte. Für eine erste Geburt, sei das klasse gewesen. Das hätte auch eine Hausgeburt sein können, meinte sie.

Nicht unzufrieden mit dem Geburtserlebnis

Ich war eigentlich nicht frustriert, sondern recht zufrieden mit der Geburt in der Klinik. Lediglich, dass es keine Wassergeburt geworden war, enttäuschte mich. Über anderes machte ich mir damals noch keine Gedanken. Erst später, nachdem ich viel gelesen hatte, wurde ich kritischer. Und inzwischen, nach zwei Hausgeburten, kenne ich natürlich den Unterschied und würde bei einer komplikationslosen Schwangerschaft nicht wieder im Krankenhaus gebären wollen.

Im nächsten Artikel lest ihr, weshalb wir uns in der zweiten Schwangerschaft für eine Hausgeburt entschieden:

Warum wir uns für eine Hausgeburt entschieden

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