Hausfrau und Mutter Respekt

Das schlechte Image der Hausfrau und Mutter

Es wird oft vom schlechten Image gesprochen, das Vollzeitmütter und Hausfrauen angeblich haben. Ich persönlich habe aber nicht unbedingt die Erfahrung gemacht, dass ich für meine Rolle als Hausfrau und Mutter keinen Respekt erhalte. Wenn ich mit meinen drei Kindern unterwegs bin, höre ich oft Sprüche wie: „Sie wissen am Abend, was Sie geschafft haben!“ Wenn ich erzähle, dass ich meine Kinder gerne selbst betreue und die Zeit für meine Karriere noch kommen werde, stoße ich in der Regel auf Verständnis. Darüber, dass ich nebenher noch einen Minijob habe, wird oft gestaunt und ich werde gefragt, wie ich das neben der Vollzeitbetreuung von drei Kindern, ohne Unterstützung von Familie und ohne Haushaltshilfe, noch schaffe. Wahrscheinlich habe ich mit den Leuten, die anders denken, nichts zu tun. Natürlich bin ich als Hausfrau und Mutter automatisch mehr mit anderen Eltern in Kontakt als mit kinderlosen Personen. Und Eltern wissen in der Regel, was es bedeutet, Kinder zu betreuen und den damit verbundenen Haushalt zu meistern.

Sich als Mutter tagsüber ausruhen?

Manchmal habe ich aber schon auch den Eindruck, dass insbesondere kinderlose Personen sich nicht vorstellen können, was man als Hausfrau und Mutter zuhause alles leistet. Ich selbst dachte zum Beispiel früher, dass Mütter bei einer klassischen Rollenaufteilung ihren Männern nachts den Schlaf lassen und sich selbst um das weinende Baby kümmern sollten, weil sie selbst ja tagsüber noch die Gelegenheit hätten, sich hinzulegen, während der Mann zur Arbeit gehen müsse. Inzwischen sehe ich das etwas anders. Mütter haben tagsüber auch nicht wirklich die Zeit und die Möglichkeit, sich hinzulegen und werden genauso gefordert wie ihre Partner bei der Arbeit. Bei uns war es durch das Stillen im Familienbett aber ohnehin fast nie nötig, nachts aufzustehen. Insofern führten wir diese Debatte nie.

Wird meine Arbeit überhaupt wahrgenommen?

Am Abend, wenn mein Mann müde von der Arbeit nach Hause kommt, frage ich mich oft, ob ihm bewusst ist, wie viel auch ich gearbeitet habe. Abgesehen von den Streitereien, die ich schlichten und den Trotzanfällen, die ich aushalten muss, bereite ich für die Kinder mehrmals täglich etwas Gesundes zu essen zu, kaufe ein, wasche die Wäsche, gehe mit den Kindern raus oder spiele mit ihnen. Dass ich das Bad geputzt und die Böden gesaugt, den Wasserfilter gewechselt und die Kaffeemaschine gereinigt habe, bekommt mein Mann oft gar nicht mit. Wenn im Haushalt mal nicht so viel zu tun ist, finde ich es nicht unbedingt weniger anstrengend. Irgendwie muss man den Tag ja rumkriegen und Langeweile fand ich schon immer schlimmer, als viel zu tun zu haben. Und mich trotz der Kinder an den Computer setzen, um zum Beispiel für meinen Blog oder mein Tagebuch zu schreiben, ist sehr schwierig. Ich vermeide es in der Regel, weil die Kinder mich dabei ohnehin andauernd unterbrechen und an meinem Arm ziehen, sodass ich mich vertippe. Ich ärgere mich dann nur und reagiere sehr gereizt.

Einen Haushalt gut zu führen ist keine leichte Aufgabe

Das Organisationsgeschick, welches Elternsein und Haushaltsarbeit erfordert, wird in meinen Augen unterschätzt. Haushaltshilfen, Reinigungskräfte, aber auch Kinderfrauen werden nicht besonders gut bezahlt und deren Arbeit wird als simpel eingestuft. In Wirklichkeit ist ein Haushalt ein kleines Familienunternehmen und ihn gut zu führen ist alles andere als eine Leichtigkeit.

Früher wurden junge Frauen oft in Haushaltsschulen geschickt, wo sie lernten, einen Haushalt ordentlich zu managen. Zumindest berichtet meine Großmutter in der Schweiz so aus ihrer Zeit. Abgesehen davon mussten wohl, insbesondere Mädchen, auch zuhause mit anpacken und lernten dabei viel, was man sich heute oftmals selbst aneignen muss oder einfach irgendwie vor sich hin wurstelt. Heute haben die meisten keinen Hauswirtschaftsunterricht, denn ob die Schüler später ihren Haushalt gut führen, hat auf deren Rolle in der Wirtschaft keinen Einfluss, wichtiger sind offenbar Fächer, die sie später in akademische Berufe lenken. Hausfrauen und Vollzeitmütter sind wirtschaftlich gesehen nicht von Vorteil, sie bringen dem Staat ja keine Steuereinnahmen.

Haushaltshilfe statt Mithilfe der Kinder

Auch zuhause müssen viele Kinder und Jugendliche nicht mit anpacken. Häufig arbeiten beide Elternteile, sodass die Haushaltsarbeit teilweise einer Haushaltshilfe überlassen wird und die Kinder erst recht nicht herangezogen werden. Kein Wunder ist es also, dass viele, wenn sie dann einmal ausziehen, mit ihrem eigenen Haushalt überfordert sind und durch die Überforderung auch keine Freude daran entwickeln.

Aber sicher ist es auch eine Frage des Typs. Manchen liegt die Arbeit im Haushalt wohl auch einfach mehr und anderen weniger. Manche haben ein starkes Ordnungsbedürfnis und andere sind vollkommen chaosresistent.

Immer ein würdiger Job, egal wie er gestaltet wird

Unabhängig davon, wie ein Haushalt geführt wird, ist der Job einer Hausfrau und Mutter anspruchsvoll und anstrengend. Wer vielleicht seltener die Wohnung reinigt, setzt sich dafür häufiger mit den Kindern hin zum Basteln, Lesen und Spielen, näht Kinderklamotten, macht Ausflüge mit den Kindern oder kocht besonders ausgewogen. Auf die Geduldsprobe werden alle Vollzeiteltern mehrmals täglich gestellt und starke Nerven sind stets gefordert. Ein leichter und anspruchsloser Job ist es in jedem Fall nicht, egal wie genau man ihn für sich gestaltet.

Ist das Image der Hausfrau und Mutter jetzt wirklich so schlecht? Ich weiß es nicht! 

Wie nehmt ihr das wahr? Wird die Rolle der Hausfrau und Mutter in unserer Gesellschaft ausreichend gewürdigt? Ich würde mich riesig freuen über eure Eindrücke!

(An alle Hausmänner und Vollzeitväter, die hier mitlesen: Ihr seid natürlich auch gemeint! Damit sich der Text fließender liest, verzichtete ich darauf, jeweils die weibliche und die männliche Form aufzuführen. Ich bitte um Verständnis.)

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Wie schaffst du das bloß alles?

4 comments:

Liebe Shani
Mütter oder Väter, die zuhause bleiben ihre Kinder betreuen und keiner bezahlten Arbeit nachgehen, leisten grosse Arbeit, auch für den Staat… denn…
sie ziehen neue Steuerzahler gross, die den Alten später die Finanzierung der Renten ermöglichen. Sie halten ihrem Partner oder der Partnerin den Rücken frei für eine Karriere, und übernehmen den Part zuhause, einen Job ohne offizielles Gehalt, ohne Lohnerhöhung, Gratifikationen und Image. Sie nehmen sich Zeit für Ihre Kinder, setzen sich persönlich für deren Wohlergehen ein. Woher sollen denn junge Leute wissen, wie das alles geht? Haushalt ist ja nichts Interessantes, geführt sein sollte er aber bei allen trotzdem. Ich glaube es ist sehr nützlich, die eigenen Kinder zu Hause mithelfen zu lassen, damit sie als Erwachsene diese Aufgaben ohne Probleme bewältigen können. Jeder muss mal kochen, sauber machen oder vielleicht auch einmal bügeln und ist froh, wenn er oder sie weiss, wie man mit einem begrenzten Budget umgeht. Als Eltern sollte man sich nicht darauf verlassen, dass die Schule das einst übernimmt, sondern Kinder in diese Bereiche sukzessive einbinden, was ihnen auch als solide Grundlage für das soziale Leben dient. Da lassen sich gleich mehrere Fliegen auf einen Schlag erwischen: Kinder helfen mit, Eltern werden entlastet. Kinder lernen beim Tun, wie man putzt, kocht oder einkauft etc. und können dies dann auch mehr schätzen. Sie werden selbstständig und fühlen sich als vollwertige Mitglieder in der Familie wahrgenommen. Sie lernen aber auch, dass es in jeder Gemeinschaft ein Geben und ein Nehmen gibt und werden so auf ihre späteren sozialen Kontakte besser vorbereitet, denn ohne Diskussionen und Aushandeln von Rechten und Pflichten geht dieses Vorgehen nicht und gerade dabei lässt sich doch wunderbar lernen, konstruktiv zu interagieren.
Herzliche Grüsse
Ima

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Liebe Ima,

du hast völlig recht mit dem Mithelfen in der Familie. Das hat bei mir selbst enorm geholfen. Aber leider sind viele Eltern bereits selbst mit dem Haushalt überfordert, da sie in ihrer Familie nicht mitwirken mussten und auch keinen Haushaltsunterricht hatten. Wäscheberge, die nie ganz beseitigt werden, kein richtiges Ordnungssystem, Bäder und Küchen voller Kalkablagerungen. Sie haben selbst nicht gelernt, einen Haushalt zu führen. Wie sollen sie es ihren Kindern richtig beibringen? Oder soll deren Haushaltshilfe es den Kindern zeigen?

Hauswirtschaftsunterricht würde vielen Schülern fürs Leben mehr bringen als so manch andere Unterrichtsfächer. Aber wie im Artikel erwähnt, sie nützen lediglich den Schülern selbst, der Staat und die Wirtschaft profitiert nicht von ordentlich geführten Haushalten. Deshalb glaube ich nicht, dass Hauswirtschaftsunterricht in unserer wachstumsorientierten Gesellschaft je wieder richtig Einzug halten wird.

Herzliche Grüße
Shani

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״einfach irgendwie vor sich hin wurstelt”, das liebe ich!! das bin ich genau, zwar ohne große Hilfe aber mit einer Putzfrau 3 Stunden pro Woche. Dennoch bin ich ständig am aufräumen 😂
Ich habe eine super power Hausfrau und Lehrerin Mama (die einige Jahre in eltenzeit war), die das alles wirklich perfekt macht, von Natur aus anscheinend, leider habe ich ihr Talent nicht ganz geerbt. Dennoch freue ich mich in meiner Rolle sehr, so schwierig wie sie tatsächlich ist, schwieriger als jeder Job den ich zuvor gemacht habe.

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Liebe Einy, vielen Dank für deinen Kommentar. Ich freue mich, dass du dich mit einigen meiner Aussagen identifizieren kannst und mir darin zustimmst, dass unsere Arbeit kein Kinderspiel ist. Besonders schön finde ich, dass du dich in deiner Rolle als Hausfrau und Mutter so wohl fühlst! Hat deine Mutter dich denn als Kind/Jugendliche in den Haushalt mit einbezogen?
Herzliche Grüße, Shani

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