Zufrieden sein mit dem, was man hat

Wir haben zwar den Wunsch, uns irgendwann mehr als eine Dreizimmerwohnung leisten zu können, aber im Moment genieße ich die Vorteile, die unsere Dreizimmerwohnung uns bietet. Wir haben keine gefährlichen Treppen, vor denen wir unsere kleinste Tochter fernhalten müssen. Wir können sie in der gesamten Wohnung rennen lassen. Ich habe die Kinder stets im Blick. Die Spielsachen, die ins Wohnzimmer getragen werden, sind schnell wieder zurückgeräumt, weil man dazu keine Treppen hochsteigen und auch keine weiten Strecken zurücklegen muss. Die Wohnung ist schnell durchgeputzt. Ich genieße es auch, mit der ganzen Familie in einem Raum zu schlafen. Die gewaschenen Klamotten sind alle schnell in den Schränken versorgt, da diese nicht in verschiedenen Räumen stehen. Und abends im Wohnzimmer, wenn mein Mann auf dem Sofa etwas liest und ich noch etwas am Computer arbeite, sind wir dennoch beieinander. Auch das finde ich sehr schön.

Die Frage ist immer, mit wem man sich vergleicht

Sollten wir eine größere Bleibe für uns finden, würden wir uns sicher schnell für deren Vorteile begeistern. Es gibt immer sowohl Vorteile als auch Nachteile und es macht glücklicher, wenn man sich an den Vorteilen festhält, solange sich an der Situation sowieso nichts ändern lässt. Außerdem ist es immer die Frage, mit wem man sich vergleicht. Müssen wir uns mit unseren Bekannten vergleichen, die direkt am Englischen Garten ein großes Grundstück geerbt haben und sich ein neues Massivhaus darauf haben bauen lassen? Das sind die einzigen jungen Eltern, die ich in München kenne, die solch ein Haus besitzen. Ein großes Glück haben sie und ich mag es ihnen gönnen.

Aber die meisten haben wie wir lediglich eine kleine Wohnung, denn mehr kann man sich hier ohne Erbschaft oder finanzielle Unterstützung aus der Familie nicht leisten, es sei denn man ist Ende vierzig und hat bereits eine Bilderbuchkarriere hingelegt. Unsere Kinder werden sich hier in München nie schämen für unsere Wohnung, da es hier nichts Außergewöhnliches ist, auf engem Raum zu leben.

Uns geht es besser als dem Großteil der Menschheit

Abgesehen davon ist es fraglich, ob man bei einer Wohnung mit siebzig Quadratmetern für eine fünfköpfige Familie wirklich von engem Raum reden darf. Verglichen mit dem Durchschnitt unserer Gesellschaft mag es eng sein, aber ist unsere Gesellschaft als winzig kleiner Teil der Menschheit maßgeblich? Ich schätze, dass 99 Prozent der Menschen dieser Welt auf engerem Raum leben als wir. Zu zehnt in einer Strohhütte, in einem Zelt oder in einem zerfallenen Steinhäuschen ohne Türen und Fenster. Schlafen, essen, spielen in einem einzigen Raum. Können wir da wirklich klagen, weil wir „nur“ drei Zimmer haben?

Kinder zu Dankbarkeit erziehen

Solange wir zufrieden sind und nicht klagen, werden auch unsere Kinder zufrieden sein. Sie kennen es nicht anders, für sie ist es normal, so wie sie es erleben. Ich führte einmal einen sehr schönen Dialog mit meiner damals vierjährigen, ältesten Tochter. Ich war auf dem Heimweg vom Kindergarten mit der Kleinsten im Rucksack und den großen zwei Kindern an den Händen.

Ich: “Wir sind so glücklich! Wir haben eine Mami und einen Papi, drei gesunde und hübsche Mädchen, eine Wohnung mit drei Zimmern.”
Meine Tochter: “Nein, wir haben mehr Zimmer! (Zählte mit den Fingern auf.) Wir haben das Wohnzimmer, das Bad, das Schlafzimmer, das Spielzimmer, die Küche …”
Ich: “Stimmt! Und den Flur und den Balkon!”
Meine Tochter: “Ja! Sieben Zimmer!”
Ich: “Wir haben eine sehr große Wohnung!! Wir sind wirklich reich, wir haben alles! Viele Spielsachen, genug zu essen, ein großes Auto, Papi hat eine Arbeit, die er mag, Mami hat auch eine Arbeit, die sie mag.”
Meine Tochter: “Und ich habe auch eine Arbeit, die ich mag! Spielen und Filme schauen!”

Wie unsere Kinder sich fühlen, hängt davon ab, was wir ihnen vermitteln. Denken wir, dass es zu eng ist und dass es uns an allem fehlt, so werden das wahrscheinlich auch die Kinder so empfinden. Egal, ob wir mit ihnen direkt darüber reden oder nicht. Ich glaube, sie werden unsere Unzufriedenheit spüren und sie übernehmen. Wir sollten unsere eigene Einstellung überdenken und dankbar sein für das, was wir haben.

Ich lebte glücklich in einer kleinen Sozialwohnung

Ich selbst lebte als Kind in einer Sozialwohnung mit 63m². Immerhin hatte diese winzige Wohnung vier Zimmer. Da ich das einzige Mädchen war, erhielt ich das kleinste Zimmerchen für mich alleine, meine Brüder teilten sich das andere, auch sehr kleine Zimmer. Ja, ich hatte immerhin ein eigenes Zimmer. Es war aber wirklich sehr klein und auch sonst war die Wohnung sehr eng. Sie fühlte sich aber für mich nicht so an. Ich war glücklich und zufrieden in dieser Wohnung. Die meisten meiner Freundinnen hatten größere Zimmer. Manche lebten in einem Haus mit Garten.

Für mich war das nichts sagend. Ich war vielleicht neidisch, weil eine Freundin mehr Barbiepuppen hatte als ich. Aber ich war nie neidisch darauf, dass andere Kinder einen eigenen Garten hatten. Wir hatten vor unserem Haus einen Spielplatz und eine große Wiese. In unserem Sozialviertel lebten jede Menge Kinder. Ich brauchte nur vor die Türe zu gehen und hatte jede Menge Spielgefährten. Wir hatten Platz zum Ballspielen und Rollschuhlaufen direkt vor der Haustüre. Ich vermisste überhaupt nichts und wusste nicht, was an einem abgegrenzten kleinen Gartenbereich vor dem eigenen Häuschen besser sein sollte als an unserer großen Wiese. Für mich war es so gut, wie ich es kannte und ich es gewohnt war.

Ich war elfeinhalb und mein großer Bruder dreizehn, als wir uns eine größere Wohnung leisten konnten. Wir zogen in eine geräumige Mietwohnung mit 140m² und jedes Kind bekam ein eigenes Zimmer. Ein deutlich größeres als wir zuvor gehabt hatten. Erst, als ich nach einigen Monaten eine alte Nachbarin in unserem alten Gebäude besuchte, fiel mir auf, wie winzig klein diese Wohnung war, in der wir jahrelang gelebt hatten.

Lese hier, wie wir wunderbar mit drei Zimmern zurecht kommen:

Viele Kinder, wenig Platz – kreative Wohnungseinteilung

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